Klima und Nachhaltigkeit
Die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, ist ein ehrgeiziges politisches Ziel, das die sozial orientierte Wohnungswirtschaft mitträgt. Gleichzeitig muss Wohnen bezahlbar bleiben. Klimagerechtes, zukunftsfähiges Wohnen darf kein Luxusgut sein.
- Kooperation IGA & VdW RW startet
Das Ruhrgebiet blüht auf!
Anlässlich der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr 2027 startete der VdW Rheinland Westfalen gemeinsam mit der IGA 2027 gGmbH eine Zusammenarbeit unter dem Motto „Grüner Wohnen – Grüne und blaue Infrastruktur an, in und auf Wohngebäuden sowie im Freiraum.“ Ziel ist es, die Wohnungsunternehmen und -genossenschaften des Ruhrgebiets aktiv in den grünen Wandel der Region einzubeziehen und ihre Begrünungskonzepte im Ausstellungsjahr 2027 zu präsentieren. Dass Wohnungsunternehmen und -genossenschaften wichtige Partner in Fragen der Stadt- und Quartiersbegrünung und für mehr Biodiversität sind, stellen sie schon jetzt unter Beweis. Dabei verfolgen sie einen ganzheitlichen Quartiersansatz, der die einzelne Wohnung, das Wohngebäude, das Wohnumfeld und übergeordnete Rahmenbedingungen und Herausforderungen wie den Klimawandel oder die Energiewende einbezieht: Fassadenbegrünung, biodiverse Quartiere, Wegbegrünung sowie Sinnes- und Klanggärten sind nur einige Bereiche, in denen die Wohnungswirtschaft einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leistet. Das zeigen etwa die Modellprojekte des städtischen Wohnungsbauunternehmens Allbau GmbH in Essen, der Vonovia SE in Bochum-Weitmar, sowie der hwg eG in Hattingen. Aber viele weitere Handlungsfelder wie Urban Farming, Balkon- und Dachbegrünung und Gemeinschaftsgärten sind denkbar.
- Wärmewende im Wohnungsbau
Innovative Technologien und soziale Lösungen auf der HEATEXPO Dortmund
Wie können Gebäude und Quartiere zukunftsfähig mit Wärme versorgt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich jedes Jahr im November die Heat Expo Messe in Dortmund – und die Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften des VdW Rheinland Westfalen jeden Tag. Daher war der Verband auch in diesem Jahr wieder Partner der Messe und hat vor Ort die Perspektive der Wohnungswirtschaft im Rahmen von Vorträgen, Paneldiskussionen und im gemeinsamen Austausch eingebracht. Wie gelingt eine sozialverträgliche Wärmewende? Hierzu diskutierte Verbandsdirektor Alexander Rychter im KlimaForum unterwegs gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Verbraucherzentrale und der Kommunen. Wichtig für das Gelingen sind partnerschaftliche Zusammenarbeit, Kommunikation und langfristige Planungssicherheit. Welche innovativen Wärmetechnologien können im Mehrfamilienhaus eingesetzt werden? Einige spannende Lösungen wurden im vom VdW Rheinland Westfalen organisierten Messerundgang vorgestellt. Von Ansätzen zur Steigerung der Energieeffizienz der Heizungsanlagen, über Wärmepumpen, Wärmetauschern für Nahwärmenetze bis hin zu ganzen Quartierskonzepten erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in unterschiedliche Technologien.
- Europäischer Holzbaukongress
Holz macht Hoffnung für den Wohnungsbau
Lange galt der Holzbau, gerade von Mehrfamilienhäusern, als Spezialdisziplin. Inzwischen ist er zum Hoffnungsträger für den Wohnungsbau geworden. Das machte der 18. Europäischen Kongress „Effizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum“ (EBH) Anfang Oktober 2025 in Köln klar. Gerade die sozial orientierte Wohnungswirtschaft setzt auf den ökologischen Baustoff, wie drei Praxisbeispiele von VdW-Mitgliedern zeigten. Mit ihrem zweiten Projekt zur seriellen Sanierung setzt die Wohnungsgenossenschaft am Vorgebirgspark eG in Köln ein starkes Signal. Als eine der Pionierinnen des Energiesprong-Prinzips hat die Genossenschaft bereits beim ersten Projekt gezeigt, welches Potenzial in der seriellen Sanierung steckt. Gebäude lassen sich mit einem hohen Anteil an Vorfertigung effizient sanieren – bei laufender Bewohnung. Die Erfahrungen daraus haben Thomas Meißner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Genossenschaft, überzeugt, den Ansatz fortzuführen und weiter zu verfeinern – nun beim zweiten Projekt mit kürzeren Bauzeiten, optimierten Abläufen und neuen Materialien.
- Im Gespräch
„Auch auf dem Land werden die Mieten steigen müssen“
Auch in ländlichen Gebieten müssen Wohnungsunternehmen und -genossenschaften auf klimaneutrales Wohnen hinarbeiten. Nur unter ganz anderen wirtschaftlichen Bedingungen als in Städten. Im rheinland-pfälzischen Birkenfeld etwa lässt der Wohnungsmarkt kaum Spielraum für Investitionen zu, sagt Michael Schunck, Geschäftsführer der Kreissiedlungsgesellschaft Birkenfeld (KSG). Er berichtet, wie er trotzdem die Wärmewende stemmen möchte. Unser Gebäudebestand, der sich über den Landkreis Birkenfeld verteilt, besteht nahezu ausschließlich aus kleineren Häusern mit zwei bis sechs Wohneinheiten, überwiegend aus den 1950er- bis 1970er-Jahren, unsere Durchschnittsmiete liegt bei etwa 4,80 Euro pro Quadratmeter kalt. Eine neue klimafreundliche Heizung, zum Beispiel eine Wärmepumpe, kostet etwa 30.000 Euro – auf dem Land wie in der Stadt und völlig unabhängig davon, ob mir nun vier Euro oder 20 Euro Mietertrag zur Verfügung stehen. Irgendwie muss ich es refinanzieren – neben den zahlreichen anderen Instandhaltungen, die ein älteres Mietwohnhaus nun mal so verlangt. In der Konsequenz werden also auch bei uns auf dem Land die Mieten steigen müssen, im Verhältnis zur bisherigen Miete prozentual wohl sogar viel stärker als in Städten. Das gilt auch für unseren Bestand, dabei kalkulieren wir als kommunalnahes Unternehmen schon immer nur mit einer schwarzen Null, also nicht mit hohen Gewinnen. Leider leistet uns die Mietwohnraumförderung auch keine wirkliche Hilfe. Unsere Region ist in eine niedrige Mietenstufe eingruppiert, womit die Fördermiete für untere Einkommen auf 5,30 Euro begrenzt ist. Damit ist noch nicht einmal eine schwarze Null hinzubekommen. chunck: Ich muss meinen Vorgängern im Amt dankbar sein, dass sie in weiser Voraussicht bereits Ende der 1990er-Jahre mit der Wärmedämmung des Gebäudebestands begonnen haben. Stand heute sind deshalb bereits rund 90 % unserer 148 Wohnhäuser gedämmt, wenn auch nicht unbedingt nach neuestem energetischen Standard. Damit verfügen wir zunäc
- 100 Wohngärten-Bereisung
Wo Asphalt zu Artenvielfalt wird
Immer heißere Sommer, verdichtete Städte, schrumpfende Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen: Der Verlust von Biodiversität ist längst kein abstraktes Umweltproblem mehr, sondern spürbare Realität in unseren Quartieren. Grünflächen, Bäume und bepflanzte Dächer sind deshalb mehr als bloße Verschönerung – sie werden zu Klimaanlagen, Treffpunkten und Lebensräumen zugleich. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen stellt sich dieser Herausforderung. Mit dem Projekt „100 Wohngärten für lebenswerte Quartiere“, das der VdW Rheinland Westfalen gemeinsam mit der IGA 2027 initiiert hat, macht sie sichtbar, wie Wohnungsunternehmen und -genossenschaften Artenvielfalt fördern, das Klima schützen und gleichzeitig die Lebensqualität ihrer Mieterinnen und Mieter steigern.
- Klima und Nachhaltigkeit
Wärmewende: Zwischen Chancen und Hürden
Ambitionierte Klimaziele sind das eine – ihre praktische Umsetzung das andere. Das zeigte sich einmal mehr bei der Veranstaltung „Ins Machen kommen – Finanzierung und Umsetzung der Wärmewende“, zu der die Handwerkskammer Düsseldorf am 16. Juni 2025 eingeladen hatte. In den Mittelpunkt rückte dabei die kommunale Wärmewende – ein Kraftakt, der Akteure aus Energieversorgung, Wohnungswirtschaft, Kommunen und Bauwirtschaft gleichermaßen fordert. Schon zur Eröffnung brachte Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert den Kern des Problems auf den Punkt: „Die Ziele sind formuliert, die Frage ist nur nach dem 'wie'." Wie ernst diese Herausforderung ist, zeigte die anschließende Debatte. In seinem Impulsvortrag präsentierte Fabio Botta vom wissenschaftlichen Forschungsverbund „Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e.V.“ aus Leipzig Studienergebnisse zu den Herausforderungen der Transformation der künftigen Energieversorgung für Kommunen und Energieversorger. Daraus ging hervor, dass sich die meisten Städte organisatorisch und planerisch grundsätzlich in der Lage sehen, die vorgeschriebenen kommunalen Wärmepläne bis 2026 bzw. 2028 zu erarbeiten. Doch beim Blick auf die langfristige Finanzierung stockt der Optimismus: Hohe Investitionskosten für den Ausbau erneuerbarer Wärmenetze, der notwendige Umbau bestehender Infrastrukturen und der schrittweise Verlust der bisherigen Einnahmequellen lassen erhebliche Finanzierungslücken erwarten.
- Das Thema
Der richtige Holzweg
Der Standardbau in Deutschland ist massiv – und das hat massive Auswirkungen auf den Klimawandel, weil mit ihm ein enormer Ausstoß an Kohlendioxid einhergeht. Wohnungswirtschaft, Bauwirtschaft und Politik haben deshalb den Weg zurück eingeschlagen: den Weg zum Holz. Wenn es um den Wohnungsbau geht, war das Holz zuerst da. Noch bis zur Jungsteinzeit wohnten etwa die Menschen am Bodensee in den weithin bekannten Pfahlbauten. Inzwischen sind Steine und Beton die weit überwiegenden Baustoffe, wenn es um die Errichtung von Gebäuden geht. Die Folge: 2,8 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr verursacht weltweit alleine die Herstellung von Zement, das sind acht Prozent der gesamten CO2-Emissionen auf der Erde. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen in Deutschland (DGNB) aus dem Jahr 2021 entstehen bei konventionellen Neubauten 500 bis 800 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter, betrachtet man einen Lebenszyklus von 50 Jahren. Am meisten für diese schlechte Umweltbilanz verantwortlich sind einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zufolge Zement, Kalk und Gips. Holz hingegen speichert Kohlendioxid. Die eine Baumart mehr, die andere weniger. Je dichter das Holz, desto größer das gespeicherte CO2. Eine 35 Meter hohe Fichte mit einem Holzvolumen von 3,4 Kubikmeter beispielsweise hat in 100 Jahren etwa 2,6 Tonnen CO2 aufgenommen, eine Buche mit demselben Holzvolumen knapp eine Tonne mehr. Von den heimischen Baumarten gehört die Hainbuche zu denen, die am meisten CO2 speichern. Holz möglichst lange nutzen Holz ist deshalb zu schade zum Verbrennen. Feuer setzt das gespeicherte CO2 schließlich wieder frei, wo man es doch so lange wie möglich gebunden halten sollte. Holz ist idealerweise in einer Kaskade zu nutzen: Zunächst als Vollholz in Form von Balken, nach dem Wiederausbau gegebenenfalls als Span verarbeitet, nach erneutem Ausbau in faserbasierten Produkten eingesetzt, später in der chemischen Industrie verwendet.
- Unterwegs
Vom Wald zur Wohnung
In unseren heimischen Wäldern beginnt eine Reise, die in Wohnquartieren endet. In Solingen sind wir der Spur des Baustoffes Holzes gefolgt – bis nach Münster. Früher Morgen am Solinger Waldrand: Der Nebel hängt zwischen den Bäumen, der Regen fällt in leichten Tropfen und die kühle Luft ist durchzogen von dem erdigen Duft des Waldes. In der Ferne hört man das Knacken der Äste, die sich im Wind biegen. Plötzlich durchbricht das kräftige Geräusch einer Motorsäge die Stille. Mit einem lauten Krachen fällt ein Baum, der Waldboden bebt. Mit diesem Fall tritt das Holz hier, im Staatsforstbezirk Großgrimberg, seine Reise an, die es bis in Wohnquartiere führt – in Form von Häusern, Fassaden und Quartieren. Das Material, das hier geerntet wird, spielt eine Schlüsselrolle im nachhaltigen Bauen. Doch nicht jedes Holz ist geeignet. Welche Holzarten sind besonders gefragt? Warum fällt man Bäume, um umweltfreundlich zu bauen? Und wie trägt dieser Rohstoff zur Entwicklung neuer Stadtviertel wie dem YORK-Quartier in Münster bei? Diese Fragen gehen uns durch den Kopf, als wir an diesem Januarmorgen über den teils matschigen Boden stapfen.„Für den Wohnungsbau braucht man Holz, das stabil, langlebig und widerstandsfähig ist“, erklärt uns Mathias Rümping, Revierleiter im Staatsforstbezirk Großgrimberg. Während er mit geübtem Blick einen frisch gefällten Stamm begutachtet, erläutert er die Unterschiede: „Lärche und Douglasie sind besonders für den Außenbau beliebt. Sie trotzen Wind und Wetter, sind leicht zu verarbeiten und besonders widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit. Fichten können als Konstruktionsholz für Dachstühle eingesetzt werden und Eichen wiederum sind besonders gut als Bau- oder Möbelholz geeignet.“ Welches Holz fürs Bauen genutzt wird, hängt aber nicht nur davon ab. „Besonders bei der Fichte merken wir die Auswirkungen des Klimawandels“, erklärt Rümping. „Die Bäume sind anfällig für Krankheiten und Schädlinge.