Wohnen im Quartier
Das Quartier ist der richtige Ort, um gesellschaftliche, soziale und energiepolitische Fragen zu lösen, die das Wohnen betreffen. Die Mitglieder des VdW Rheinland Westfalen wissen das und handeln danach. Ziel sind lebenswerte Wohnquartiere für alle Generationen.
- Projekt 100 Wohngärten
Warum Gärten für Viertel wichtig sind
Ökologisch gestaltete Freiräume in einem Viertel sind mehr als "nice to have". Naturnahe, biodiversitätsfördernde Flächen, gemeinschaftlich entwickelte Angebote oder barrierefreie Sinnesgärten können Nutzung, Begegnung und Teilhabe gezielt fördern – besonders dann, wenn Mieterinnen und Mieter in die Gestaltung einbezogen werden. Das zeigte der vierte Praxis-Workshop der Initiative "100 Wohngärten" von IGA 2027 gGmbH und VdW Rheinland Westfalen anlässlich der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 im Ruhrgebiet. Auf dem Workshop in Gelsenkirchen Mitte April 2026 wurde diskutiert, wie Freiräume in Wohnquartieren Gesundheit und Nachbarschaft beitragen können – und welche Rolle die Wohnungswirtschaft dabei spielt. Die Impulse kamen dabei aus Wissenschaft und Praxis: Prof. Dr. Heike Köckler (Hochschule für Gesundheit Bochum) und Bastian Michael (Stadt Herne) zeigten, wie Freiflächen gezielt als Treiber für Gesundheitsförderung wirken können. Sandra Kesseboom (GEWOBAU Essen) machte anhand konkreter Beispiele deutlich, wie Sinnesgärten, generationenübergreifende Angebote und biodiversitätsfördernde Flächen sozialen Mehrwert im Quartier schaffen – insbesondere auch für vulnerable Gruppen wie Demenz-WGs. Projekte, die alle auch Teil der 100 Wohngärten sind und somit mit einer Urkunde ausgezeichnet wurden.
- IQ-Kongress
Wie gelingen innovative Quartiere?
Wie können Städte und Quartiere fit für die Zukunft gemacht werden? Antworten auf diese Frage diskutierten am 5. Februar 2026 mehr als 350 Fachleute aus Politik, Kommunen, Wissenschaft und Immobilienwirtschaft beim 4. Fachkongress für innovative Quartiersentwicklung im EBZ in Bochum. Eingeladen hatte das Deutsche Institut für Urbane Transformation (DIUT) der EBZ Business School (FH). Wohnungsunternehmen und -genossenschaften der sozial orientierten Wohnungswirtschaft gehören seit jeher zu den Stammgästen des Quartierkongresses. Vor dem Hintergrund tiefgreifender ökologischer, sozialer und ökonomischer Veränderungen widmete sich der Kongress einer rundum adäquaten Stadt- und Quartiersentwicklung. Betrachtet wurden dabei die Rollen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft und Kommunen hier, die der projektfreudigen Wissenschaft dort als Treiber urbaner Transformation. Prof. Dr. Daniel Kaltofen, Rektor der EBZ Business School, betonte die Bedeutung des fachlichen Austauschs: „Transformation heißt, Komplexität zu managen. Dafür braucht es Vernetzung, gegenseitiges Lernen und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Der IQ-Kongress bietet dafür den erforderlichen Rahmen.“
- Im Gespräch
"Das Bielefelder Modell zukunftssicher machen"
Die Mieterinnen und Mieter können auf einen sozialen Dienstleister in einem Quartier zurückgreifen, zahlen aber nur, wenn sie es auch tun. Das ist Kern des „Bielefelder Modells“, als dessen Erfinder das Wohnungsunternehmen BGW Bielefeld gilt. Oliver Klingelberg leitet das Sozialmanagement der BGW und verrät, wie sich das Modell im Laufe der Zeit verändert hat.Wann und wie hat das mit dem Bielefelder Modell begonnen? Von wem ging der Kooperationsgedanke aus? Klingelberg: Das erste Bielefelder Modell wurde 1996 bezogen. Die Konzeption ist dabei die Fortentwicklung einer vorherigen langjährigen Zusammenarbeit in einzelnen Projekten zwischen der BGW und verschiedenen sozialen Trägern. Ausgangspunkt war die Überzeugung, dass die Wohnwünsche von älteren, gegebenenfalls pflegebedürftigen Menschen bzw. von Menschen mit Behinderung sich im Grundsatz nicht von den Wohnwünschen anderer unterscheiden. Allerdings verändern sich die Anforderungen an das Wohnsetting. Ziel war es also, ein attraktives und bezahlbares Wohnangebot zu schaffen, welches gleichermaßen dem Wunsch nach Selbstbestimmtheit und Privatheit als auch nach Versorgungssicherheit im Falle von gesundheitlichen Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit entspricht. Die dafür notwendigen Bausteine sind Barrierefreiheit, ein umfassendes professionelles Versorgungsangebot, das möglichst rund um die Uhr über einen sozialen Dienst direkt im Quartier abrufbar ist, sowie die Stärkung von Selbsthilfepotentialen, Nachbarschaft und Ehrenamt. Wie viele Modelle in der Art haben Sie inzwischen umgesetzt – und was machen Sie inzwischen anders? Klingelberg: Aktuell wird das „Bielefelder Modell“ von der BGW in elf Quartieren mit unterschiedlichen Partnern stadtweit umgesetzt. Dabei hat sich die Konzeption stetig weiterentwickelt. So hat beispielsweise die herausragende Bedeutung des Wohncafés als Treffpunkt für die Nachbarschaft und als Ausgangspunkt zahlreicher haupt- und ehrenamtlicher Aktivtäten dazu geführt, dass diese Räume gege
- Draufgeschaut
Tabula rasa?
Die Konversion von Flächen bedeutet einen Neuanfang für Wohnviertel, manchmal für ganze Städte. Ein Blick ins Paderborner Alanbrooke-Quartier, das früher militärisch genutzt wurde. Am Anfang stand der Schock: 2011 hatte die britische Armee angekündigt, aus Paderborn komplett abziehen zu wollen. 10.000 Soldatinnen und Soldaten plus Familien hatten bis dahin in der ostwestfälischen Stadt gelebt. Jetzt sollten sie aus dem Stadtbild verschwinden? 2018 revidierten die Streitkräfte diese Entscheidung zum Teil, einige militärische Gelände bleiben besetzt. Für drei Kasernenflächen mit insgesamt etwa 90 Hektar aber durfte die Stadt eine neue Nutzung finden. Den Anfang macht sie mit dem Alanbrooke-Quartier. Hier hat der britische Abzug eine 18 Hektar große Brache ins Herz der Stadt gerissen. Gerade einmal 1,4 Kilometer ist das Gebiet vom Zentrum entfernt. Was sollte die Stadt mit dieser Fläche anfangen? Wo liegen die Chancen für die Stadtentwicklung? Erst einmal „Tabula rasa“, also alle Gebäude dem Erdboden gleich machen, bei Null anfangen? Im Fall der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne ging das gar nicht, denn einige Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind denkmalgeschützt und stilprägend für das Quartier. Ein auf dem Reißbrett geplanter Neustart war also nicht möglich und auch nicht sinnvoll. 8Hauptfunktion: Wohnen Welche Funktion im neuen Alanbrooke-Quartiert erfüllt werden soll, war schon 2016, als das Strukturkonzept beschlossen wurde, recht schnell klar, so Lars-Christian Lange, Konversionsbeauftragter der Stadt Paderborn. „In dieser Innenstadtlage sollten vor allem Wohnungen entstehen, aber keine reine Schlafstadt, sondern eine mit Geschäften und sozialen Einrichtungen belebte Erdgeschosszone, ergänzt durch ein gutes Freiraumkonzept“, erklärt er. Der ehemalige Exerzierplatz bleibt als Freifläche erhalten, aus ihm heraus wird das grüne Rückgrat des Quartiers angelegt, das über seine Wegeachsen mit den anliegenden Stadtteilen verbunden wird. Früher lag die Kaserne quasi als
- Wohnen im Quartier
Neue Studie zeigt soziale Schieflagen und Wege aus der Überforderung
Manchmal reicht ein Satz, um den Ernst der Lage zu umreißen. „Es sind kaum neue Erkenntnisse darin zu finden. Es ist alles nur schlimmer geworden“, fasste Prof. Dr. Torsten Bölting die Ergebnisse der neuen InWIS-Studie „Überforderte Quartiere. Engagement – Auswege – Lösungen“ bei ihrer Vorstellung am 6. Mai 2025 zusammen. Der Anlass war die Verleihung des bundesweiten Wettbewerbs „Preis Soziale Stadt“, der seit Jahren lokale Engagements für bessere Lebensbedingungen würdigt – in Stadtteilen, die oft im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Die nun vorgelegte Studie zeigt: Der Schatten wird länger. Bereits 1998 machte der GdW mit einer Vorgängerstudie auf sogenannte „überforderte Nachbarschaften“ aufmerksam – Stadtteile, die unter einem Ballungsraum sozialer Problemlagen leiden. Über 25 Jahre später zeigt die Neuauflage: Armut, Migration, Wohnungsknappheit, Überalterung, Vereinsamung – die gesellschaftlichen Herausforderungen haben sich nicht nur verstärkt, sie konzentrieren sich zunehmend auf bestimmte Quartiere. Dort bröckelt nicht nur das Miteinander, sondern auch das Vertrauen in Institutionen und demokratische Strukturen.
- Soziales Engagement
Quartiersarbeit für gute Nachbarschaften
Wohnquartiere sozial zu stabilisieren und gute Nachbarschaften zu erhalten, begreift die sozial orientierte Wohnungswirtschaft als eigene Aufgabe. Claudia Wußmann ist als Quartiersmanagerin für die Nachbarschaftszentren der Rheinwohnungsbau GmbH in Düsseldorf verantwortlich. Wir treffen sie in einem Zentrum, das seit 15 Jahren existiert, und einem, das in Kürze eröffnet wird.
- Hohe Qualität, bezahlbares Wohnen
Verbandsmitglied gewinnt Deutschen Bauherrenpreis 2024
Der Deutsche Bauherrenpreis ist seit mehr als drei Jahrzehnten innerhalb der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, aber auch der Fachwelt von Architektur, Bauplanung und -umsetzung ein hoch angesehener und begehrter Preis. Seit 1986 prämiert eine renommierte Jury alle zwei Jahre Wohnprojekte, die eine hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität, bezahlbare Mietpreise und baulich-architektonische Ansprüche miteinander vereinen. In diesem Jahr ging der Preis in das Verbandsgebiet des VdW Rheinland Westfalen: Die RWB konnte sich mit einem überzeugenden Quartiersprojekt in Düsseldorf-Lichtenbroich gegen die starke Konkurrenz aus der ganzen Republik durchsetzen. Für das Lichtenbroicher Wohnviertel am Sermer Weg und am Volkardeyer Weg hatte die Rheinwohnungsbau im Jahr 2011 einen interdisziplinären Architektenwettbewerb ausgerufen, um das Quartier zu entwickeln.