thema der Wohnungswirtschaft
N°1 – Der perfekte Sturm

Wohnen im Quartier

Das Quartier ist der richtige Ort, um gesellschaftliche, soziale und energiepolitische Fragen zu lösen, die das Wohnen betreffen. Die Mitglieder des VdW Rheinland Westfalen wissen das und handeln danach. Ziel sind lebenswerte Wohnquartiere für alle Generationen.

Was ist eine sanfte Stadt?

Wann fühlen sich Menschen in einer Stadt wohl? Wenn sie sanft ist, sagt der schottische Architekt David Sim. Doch wie gelingt die? Darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Tabula rasa?

Die Konversion von Flächen bedeutet einen Neuanfang für Wohnviertel, manchmal für ganze Städte. Ein Blick ins Paderborner Alanbrooke-Quartier, das früher militärisch genutzt wurde. Am Anfang stand der Schock: 2011 hatte die britische Armee angekündigt, aus Paderborn komplett abziehen zu wollen. 10.000 Soldatinnen und Soldaten plus Familien hatten bis dahin in der ostwestfälischen Stadt gelebt. Jetzt sollten sie aus dem Stadtbild verschwinden? 2018 revidierten die Streitkräfte diese Entscheidung zum Teil, einige militärische Gelände bleiben besetzt. Für drei Kasernenflächen mit insgesamt etwa 90 Hektar aber durfte die Stadt eine neue Nutzung finden. Den Anfang macht sie mit dem Alanbrooke-Quartier. Hier hat der britische Abzug eine 18 Hektar große Brache ins Herz der Stadt gerissen. Gerade einmal 1,4 Kilometer ist das Gebiet vom Zentrum entfernt. Was sollte die Stadt mit dieser Fläche anfangen? Wo liegen die Chancen für die Stadtentwicklung? Erst einmal „Tabula rasa“, also alle Gebäude dem Erdboden gleich machen, bei Null anfangen? Im Fall der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne ging das gar nicht, denn einige Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind denkmalgeschützt und stilprägend für das Quartier. Ein auf dem Reißbrett geplanter Neustart war also nicht möglich und auch nicht sinnvoll. 8Hauptfunktion: Wohnen Welche Funktion im neuen Alanbrooke-Quartiert erfüllt werden soll, war schon 2016, als das Strukturkonzept beschlossen wurde, recht schnell klar, so Lars-Christian Lange, Konversionsbeauftragter der Stadt Paderborn. „In dieser Innenstadtlage sollten vor allem Wohnungen entstehen, aber keine reine Schlafstadt, sondern eine mit Geschäften und sozialen Einrichtungen belebte Erdgeschosszone, ergänzt durch ein gutes Freiraumkonzept“, erklärt er. Der ehemalige Exerzierplatz bleibt als Freifläche erhalten, aus ihm heraus wird das grüne Rückgrat des Quartiers angelegt, das über seine Wegeachsen mit den anliegenden Stadtteilen verbunden wird. Früher lag die Kaserne quasi als

Quelle: André Wagenzik

Neue Studie zeigt soziale Schieflagen und Wege aus der Überforderung

Manchmal reicht ein Satz, um den Ernst der Lage zu umreißen. „Es sind kaum neue Erkenntnisse darin zu finden. Es ist alles nur schlimmer geworden“, fasste Prof. Dr. Torsten Bölting die Ergebnisse der neuen InWIS-Studie „Überforderte Quartiere. Engagement – Auswege – Lösungen“ bei ihrer Vorstellung am 6. Mai 2025 zusammen. Der Anlass war die Verleihung des bundesweiten Wettbewerbs „Preis Soziale Stadt“, der seit Jahren lokale Engagements für bessere Lebensbedingungen würdigt – in Stadtteilen, die oft im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Die nun vorgelegte Studie zeigt: Der Schatten wird länger. Bereits 1998 machte der GdW mit einer Vorgängerstudie auf sogenannte „überforderte Nachbarschaften“ aufmerksam – Stadtteile, die unter einem Ballungsraum sozialer Problemlagen leiden. Über 25 Jahre später zeigt die Neuauflage: Armut, Migration, Wohnungsknappheit, Überalterung, Vereinsamung – die gesellschaftlichen Herausforderungen haben sich nicht nur verstärkt, sie konzentrieren sich zunehmend auf bestimmte Quartiere. Dort bröckelt nicht nur das Miteinander, sondern auch das Vertrauen in Institutionen und demokratische Strukturen.

Quartiersarbeit für gute Nachbarschaften

Wohnquartiere sozial zu stabilisieren und gute Nachbarschaften zu erhalten, begreift die sozial orientierte Wohnungswirtschaft als eigene Aufgabe. Claudia Wußmann ist als Quartiersmanagerin für die Nachbarschaftszentren der Rheinwohnungsbau GmbH in Düsseldorf verantwortlich. Wir treffen sie in einem Zentrum, das seit 15 Jahren existiert, und einem, das in Kürze eröffnet wird.

Verbandsmitglied gewinnt Deutschen Bauherrenpreis 2024

Der Deutsche Bauherrenpreis ist seit mehr als drei Jahrzehnten innerhalb der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, aber auch der Fachwelt von Architektur, Bauplanung und -umsetzung ein hoch angesehener und begehrter Preis. Seit 1986 prämiert eine renommierte Jury alle zwei Jahre Wohnprojekte, die eine hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität, bezahlbare Mietpreise und baulich-architektonische Ansprüche miteinander vereinen. In diesem Jahr ging der Preis in das Verbandsgebiet des VdW Rheinland Westfalen: Die RWB konnte sich mit einem überzeugenden Quartiersprojekt in Düsseldorf-Lichtenbroich gegen die starke Konkurrenz aus der ganzen Republik durchsetzen. Für das Lichtenbroicher Wohnviertel am Sermer Weg und am Volkardeyer Weg hatte die Rheinwohnungsbau im Jahr 2011 einen interdisziplinären Architektenwettbewerb ausgerufen, um das Quartier zu entwickeln.

Quartiersentwicklung in mehreren Etappen

Am Ende werden es über 550 Wohnungen sein, die entweder neu gebaut oder zeitgemäß, modern und klimafreundlich modernisiert wurden und zu bezahlbaren Mieten auf den Markt kommen: Die SWB-Service- Wohnungsvermietungs- und -baugesellschaft mbH (SWB) aus Mülheim an der Ruhr baut mit der „Eichbaumsiedlung“ ein vor Ort wichtiges Quartiersprojekt, das einige Hürden und Hindernisse schon hinter sich lassen musste. Und am Ende doch noch bezahlbare Wohnungen für die Mülheimerinnen und Mülheimer bringen wird. Die Eichbaumsiedlung im Stadtteil Heißen-Süd steht im Fokus einer ehrgeizigen Revitalisierung durch die SWB. Mit Blick auf eine ganzheitliche, zukunftsfähige und generationengerechte Entwicklung werden hier 556 Wohneinheiten modernisiert oder neu gebaut. Diese umfassende Neuentwicklung, im aktuellen fünften Bauabschnitt bis 2026 geplant, setzt auf Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz im Bauen, Wohnen und Heizen.

Genossenschaftlich und öffentlich gefördert

Öffentlich geförderte energetische Bestandssanierung und Wohnungsneubau: 72 Wohnungen energetisch saniert, 16 Wohnungen neu gebaut und den CO₂-Ausstoß um 249 Tonnen pro Jahr reduziert, das sind die durchaus beeindruckenden Zahlen des Bauprojektes, mit dem sich die Gemeinnützige Wohnungs-Genossenschaft e.G. Neuss (GWG), eine Mitgliedsgenossenschaft des VdW Rheinland Westfalen, nun um den Deutschen Bauherrenpreis 2024 beworben hat. Die Bestandsgebäude an der Weckhovener Straße 62-78 wurden in den 1960er-Jahren erbaut und waren mit Niedertemperatur-Kombithermen für Heizung und Warmwasser in jeder Wohnung ausgestattet. Der jährliche CO₂-Ausstoß war beträchtlich. Im Rahmen ihres Klimapfades hin zu einem CO₂-neutralen Gebäudebestand bis spätestens 2045 hat die GWG die Häuser nun umfassend energetisch saniert und zusätzlich in zwei Kopfbauten als Anbauten an die bestehenden Zeilen noch insgesamt 16 barrierefreie Neubauwohnungen errichtet, die aus Mitteln des Bundes und der Wohnraumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen öffentlich gefördert wurden.

Vernetzte Quartiere im Ruhrgebiet

"Unterwegs zur in sich vernetzten Metropole Ruhr": Unter diesem Motto trafen sich am 29. November 2023 rund 250 Fachleute aus Politik, Verbänden, Unternehmen, Wissenschaft und Verwaltung zur vierten Mobilitätskonferenz Metropole Ruhr in der Stadthalle in Mülheim an der Ruhr. Veranstalter war der Regionalverband Ruhr (RVR). Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Metropole Ruhr vor großen Herausforderungen stehe, wenn sie die Verkehrswende schaffen will. Aufgrund ihrer Raumstruktur sind maßgeschneiderte Lösungen notwendig. Die bessere Vernetzung aller Verkehrsträger spielt dabei eine entscheidende Rolle.