Quartiersentwicklung
- Stabile Nachbarschaften
Quartierstagung sendet "Bochumer Impuls"
Wie können Quartiere angesichts wachsender sozialer, demografischer und infrastruktureller Herausforderungen handlungsfähig bleiben? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wohnungswirtschaft, Wissenschaft, Politik und Quartiersarbeit bei der zweiten Fachtagung „Quartiere der Zukunft – Von Überforderung zu Resilienz“ am 30. September 2026 im Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) in Bochum. Veranstalter waren InWIS, die EBZ Akademie, der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sowie der VdW Rheinland Westfalen. Die Ergebnisse wurden im „Bochumer Impuls 2026“ gebündelt. In den Diskussionen wurde deutlich, dass resiliente Quartiere nicht allein von baulichen Maßnahmen abhängen. Entscheidend seien funktionierende soziale Infrastrukturen, belastbare Netzwerke, engagierte Akteure und eine professionelle Quartiersarbeit. Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen, betonte die Bedeutung einer aktiven Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik und ordnete soziale Resilienz in ein umfassenderes Verständnis widerstandsfähiger Quartiere ein. Der gemeinsame Tenor der Tagung: Quartiersentwicklung muss stärker auf Wissen, Kooperation und langfristige Strategien setzen, anstatt lediglich auf Krisen zu reagieren.
- Unterwegs
Fünf im Viertel
Drogenkriminalität, brennende Matratzen, Schlägereien: Das Düsseldorfer Viertel Wersten-Südost hat unschöne Schlagzeilen hinter sich. Fünf Wohnungsunternehmen sind angetreten, um die Abwärtsspirale im Viertel zu stoppen – und haben dafür 2025 den Preis Soziale Stadt gewonnen. Zwei Arbeitskreise des VdW Rheinland Westfalen informierten sich auf einer Exkursion über die erfolgreiche Quartiersarbeit.Ein Tag im November 2020: Es ist noch dunkel, als eine Gruppe Polizisten in den Morgenstunden gezielt eines der Hochhäuser an der Küppersteger Straße ansteuert. Es ist die zweite Drogenrazzia innerhalb weniger Monate in dem Gebäude im Werstener Südosten. Das Haus gilt als Drogenumschlagplatz, das Viertel als „überforderte Nachbarschaft“, wie es im Fachjargon heißt. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, einmal fast zu einer Massenschlägerei, ein Polizeieinsatz verhindert Schlimmeres. Fünfeinhalb Jahre später, Frühlingsanfang in Wersten. Die Luft ist kühl, doch die Sonne wärmt. Etwa 20 Menschen haben sich auf der Küppersteger Straße um Dorothee Linneweber und Prof. Reinhold Knopp gruppiert, unweit der „Blauen Säulen“, die wohl mal als Kunst am Bau errichtet wurden und mitten auf einer Kreuzung das Zentrum des Viertels markieren – unmittelbar an dem Hochhaus, in dem die Drogenrazzien stattgefunden haben. Linneweber hält ein laminiertes Blatt in die Höhe, auf der vier japanische Kirschblütenbäume gezeichnet sind. „Dieses Jahr sollen die Bäume an die Ecken der Kreuzung um die Blauen Säulen gepflanzt werden, gerade eben habe ich mich mit der SWD dazu getroffen, die die Kosten übernimmt“, sagt sie laut, sodass alle sie verstehen. Die SWD ist die Städtische Wohnungsgesellschaft Düsseldorf und eines von fünf Wohnungsunternehmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diesen Stadtteil zu retten. Initiiert und strukturell auf den Weg gebracht wurde die Kooperation durch die Rheinwohnungsbau, es schlossen sich an: die SWD, Sahle Wohnen, WOGEDO und Vonovia. Bis
- Draufgeschaut
Das Quartier als Puzzle
So könnte das Quartiers-Puzzle aussehen, wenn es fertig ist. Wobei: So ganz fertig ist ein Viertel nie. Jedes Puzzle-Teil steht für eine Funktion, die erfüllt werden muss, damit sich Menschen in einem Viertel wohlfühlen. In der Realität ist eine Funktion, vor allem das Wohnen häufiger vorhanden als andere. Und die Vorgaben des Bebauungsplans wollen ja auch beachtet sein, Gewerbe ist nicht überall möglich. Aber nach dem Planungsmodell der 15-Minuten-Stadt sollten alle Dinge des täglichen Bedarfs innerhalb einer Viertelstunde zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. So greifen die verschiedenen Funktionen wie Puzzlestücke ineinander. Für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft die wichtigste Funktion: Die Menschen müssen eine Wohnung in dem Viertel haben, die sie finanziell nicht überlastet. Es sollte Grünflächen geben, Kinder sollten in die nahe gelegene Kindertagesstätte gehen und auf dem Spielplatz rutschen, schaukeln und buddeln können. Arztpraxen sollten ebenso wie Busse oder andere öffentliche Verkehrsmittel möglichst innerhalb weniger Minuten erreichbar, die Kneipe und die Bäckerei um die Ecke sein. Und die Schule nicht weit entfernt. Der Weg zu Geschäften für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sollte kurz sein, Mode-, andere Einzelhandelsgeschäfte oder Gewerbe ist wünschenswert, wenn denn vom Bebauungsplan zugelassen. Eine Kultureinrichtung ist ein gern gesehenes Puzzleteil. Ein Nachbarschaftszentrum, das möglicherweise vom Sozialmanagement eines Wohnungsunternehmens betreut wird, sorgt für weitere Begegnungsangebote, und eine Quartiersheizzentrale in der Idealvorstellung für klimaneutrale Wärme. Und weitere Funktionen wie Büros und Wohngemeinschaften sind denkbar. Wenn Wohnungsunternehmen und -genossenschaften neue Quartiere planen oder alte verändern, schaffen sie durch den Bau von Kitas, Ladenlokalen und Co. nicht selten die Voraussetzungen dafür, dass diese Funktionen erfüllt werden.
- Zukunftsquartiere in Dortmund
Brücken bauen zwischen Politik und Wohnungswirtschaft
Wie gelingen klimaneutrale Quartiere, soziale Teilhabe und bezahlbares Wohnen zugleich? Dieser Frage widmete sich am 24. Oktober 2025 die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Poschmann MdB bei einer Fachreise durch drei Dortmunder Zukunftsquartiere. Auf Einladung des VdW Rheinland Westfalen informierte sich die Politikerin gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der sozial orientierten Wohnungswirtschaft über aktuelle Projekte, Herausforderungen und Chancen der nachhaltigen Stadtentwicklung. Der Auftakt führte in das Quartier Menglinghausen der Vonovia SE. Hier steht die ganzheitliche Quartiersentwicklung im Mittelpunkt – von energieeffizienter Modernisierung bis zur Förderung von Nachbarschaft und Teilhabe. Neue Spiel- und Begegnungsflächen, eine enge Zusammenarbeit mit sozialen Trägern wie AWO und SSB Dortmund sowie der Einsatz moderner Energielösungen zeigen, wie Klimaschutz und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können. Anschließend besuchte die Delegation die Klimaschutzsiedlung Ewige Teufe des Spar- und Bauvereins eG. Das Quartier gilt als Vorzeigeprojekt für nachhaltiges und inklusives Wohnen: fünf Wohnhäuser, 37 Wohnungen – davon 13 öffentlich gefördert – erfüllen den hohen Effizienzhausstandard 40 Plus (KfW 40+). Ein barrierefreies Apartmenthaus ermöglicht Menschen mit Beeinträchtigungen selbstbestimmtes Wohnen. Mit rund 7,8 Millionen Euro öffentlicher Förderung ist das Projekt Teil des Landesprogramms „100 Klimaschutzsiedlungen NRW“.
- Arbeitskreise
„10 Jahre wollten wir nicht warten“
Der VdW Rheinland Westfalen fördert die Zusammenarbeit seiner Mitglieder, um gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln. Eine zentrale Rolle dabei spielen die Arbeitskreise, in denen fachliche Expertinnen und Experten aus den Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften zusammenkommen, um sich über Themen von strategischer Relevanz auszutauschen, Best Practices zu teilen und neue Entwicklungen und Lösungsansätze zu diskutieren.
Ein erfolgreiches Beispiel dafür stellt die Zusammenarbeit der Mitglieder des Arbeitskreises Berufliche Bildung und Personal dar, der sich vor allem mit dem Fachkräftemangel – eine der größten Herausforderungen der Wohnungswirtschaft – befasst und Strategien zur Personalgewinnung und -entwicklung sowie zur beruflichen Weiterbildung erarbeitet. Im Gastbeitrag erläutert der Arbeitskreisvorsitzende Marc Schröter (GAG Immobilien AG), wie der Arbeitskreis gemeinsam daran gearbeitet hat, die Ausbildung der Immobilienkaufleute um inhaltliche Punkte zu ergänzen, die bislang noch nicht Teil des Ausbildungsrahmens waren, aber dennoch zentral für die passende Ausbildung der Fachkräfte von morgen sind.
- Soziales Engagement
Quartiersarbeit für gute Nachbarschaften
Wohnquartiere sozial zu stabilisieren und gute Nachbarschaften zu erhalten, begreift die sozial orientierte Wohnungswirtschaft als eigene Aufgabe. Claudia Wußmann ist als Quartiersmanagerin für die Nachbarschaftszentren der Rheinwohnungsbau GmbH in Düsseldorf verantwortlich. Wir treffen sie in einem Zentrum, das seit 15 Jahren existiert, und einem, das in Kürze eröffnet wird.
- Im Gespräch
"Das Wasser sollte in der Stadt gehalten werden"
Wasser gerät zum zentralen Element in der Quartiersplanung – und damit werden auch die Grenzen zwischen öffentlicher und privater Planung fließend. Denn wenn beispielsweise Wasser im Wohnumfeld zurückgehalten wird, fließt weniger in die öffentliche Kanalisation. Kommunen und Wohnungsunternehmen und -genossenschaften arbeiten deshalb idealerweise zusammen. Wie das geschieht, untersucht derzeit das Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung (ISI) gemeinsam mit dem Forschungszentrum InWIS und der Kommunalagentur NRW. Ein Gespräch über das Notwendige und das Machbare.
- Wohnraumförderung
Quartiersentwicklung in mehreren Etappen
Am Ende werden es über 550 Wohnungen sein, die entweder neu gebaut oder zeitgemäß, modern und klimafreundlich modernisiert wurden und zu bezahlbaren Mieten auf den Markt kommen: Die SWB-Service- Wohnungsvermietungs- und -baugesellschaft mbH (SWB) aus Mülheim an der Ruhr baut mit der „Eichbaumsiedlung“ ein vor Ort wichtiges Quartiersprojekt, das einige Hürden und Hindernisse schon hinter sich lassen musste. Und am Ende doch noch bezahlbare Wohnungen für die Mülheimerinnen und Mülheimer bringen wird. Die Eichbaumsiedlung im Stadtteil Heißen-Süd steht im Fokus einer ehrgeizigen Revitalisierung durch die SWB. Mit Blick auf eine ganzheitliche, zukunftsfähige und generationengerechte Entwicklung werden hier 556 Wohneinheiten modernisiert oder neu gebaut. Diese umfassende Neuentwicklung, im aktuellen fünften Bauabschnitt bis 2026 geplant, setzt auf Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz im Bauen, Wohnen und Heizen.
- Wohnen im Quartier
Soziale Mehrwerte vor Ort schaffen
Die Montag Stiftung Urbane Räume gAG entwickelt Grundstücke und Gebäude nach dem Initialkapital-Prinzip, gemeinsam mit unterschiedlichsten Akteuren. Die unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Bonn, die operativ tätig ist, setzt ausschließlich eigene Projekte um. Mit mittlerweile sechs Projekten entwickelt Sie Immobilien im Sinne einer gemeinwohlorientierten Stadtteilentwicklung von, mit und für Menschen aus dem Stadtteil. Der VdW Rheinland Westfalen fragte Dr. Robert Winterhager nach den Hintergründen.