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Pressemitteilung

Investitionen in bezahlbares Wohnen stagnieren: NRW-Wohnungswirtschaft veröffentlicht Jahresstatistik

28. Juli 2023

Die Investitionen der sozial orientierten Wohnungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen stagnieren. Das zeigt die Jahresstatistik des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VdW) Rheinland Westfalen in seinem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht. Gleichzeitig sind die Mieten gestiegen, liegen aber weiterhin deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

  • Durchschnittliche Nettokaltmiete liegt bei Wohnungsunternehmen und
    -genossenschaften des VdW Rheinland Westfalen bei 6,13 Euro pro Quadratmeter.
  • Im Jahr 2022 wurden 4.794 neue Wohnungen fertiggestellt.
  • Investitionen der VdW-Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften lagen bei 3,98 Milliarden Euro.

Mieterinnen und Mieter der sozial orientierten Wohnungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen mussten im vergangenen Jahr eine Nettokaltmiete von durchschnittlich 6,13 Euro (2021: 5,93) pro Quadratmeter bezahlen. Damit lag die Durchschnittsmiete weiterhin 87 Cent pro Quadratmeter unter dem NRW-Landesschnitt von 7 Euro nach aktuellem Mikrozensus. „Durch die gestiegenen energetischen Vorgaben können die VdW-Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften nicht mehr die gleiche Differenz wie in den Vorjahren gewährleisten“, schildert Alexander Rychter, Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen. 2018, im Jahr des vorherigen Mikrozensus, hatte die Differenz noch bei 1,01 Euro pro Quadratmeter gelegen. „Unsere Mitglieder mussten einen Teil der gestiegenen Bau- und Modernisierungskosten weitergeben, um nicht die eigene wirtschaftliche Stabilität zu gefährden“, analysiert Rychter.

Investitioinen algen bei rund 3,98 Milliarden Euro

Nachdem die Investitionen in den Jahren 2019 bis 2021 stark gestiegen waren, stagnierten sie 2022, allerdings auf hohem Niveau. Insgesamt investierten die VdW-Unternehmen 2022 rund 3,98 Milliarden Euro in den Neubau, die Instandhaltung und die Modernisierung von bezahlbarem Wohnraum. „Zwischen 2016 und 2022 hat fast eine Verdopplung der Investitionen in Neubau und Bestand stattgefunden, ein deutliches Zeichen dafür, dass unsere Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften ihre Bestände klimagerecht machen. Und sie stemmen sich weiterhin gegen die Wohnungsbaukrise und sind gewillt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Doch die Jahre der kontinuierlich steigenden Investitionen sind zinsbedingt und aufgrund immenser Baukostensteigerungen vorbei“, so Rychter.

Öffentliche Wohnraumförderung NRW 2022

Im Jahr 2022 wurden durch die Wohnraumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen 3.987 (2021: 3.190) Wohnungen (Neubau und Modernisierungsmaßnahmen) gefördert, sodass sie einer Mietpreisbindung unterliegen. VdW-Mitglieder haben rund 36 Prozent der Wohnraumfördermittel in Nordrhein-Westfalen abgenommen, den Schwerpunkt bildete dabei die Modernisierung. Mit 215,38 Millionen Euro hat sich der Mittelabruf durch die VdW-Mitglieder in diesem Programm im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

Zu den Zahlen erklärt VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter: „Die Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften stehen auch in diesen Krisenzeiten für das bezahlbare Wohnen in Nordrhein-Westfalen. Leider aber stellen der beispiellose Anstieg der Bau- und Grundstückspreise sowie der Zinsen derzeit die Errichtung bezahlbarer Wohnungen grundsätzlich in Frage.“ Das belegen auch die aktuellen Zahlen: Im vergangenen Jahr reichte in Nordrhein-Westfalen die Zahl der neu gebauten Wohnungen nicht aus, die aus der Preisbindung herausgefallenden Wohnungen zu ersetzen. Der Bestand sank von Ende 2021 bis Ende 2022 auf 435.025. Das sei in der aktuellen Situation nicht verwunderlich, schildert Rychter, denn „hohe Zinsen, drastisch gestiegene Baukosten und wenig bezahlbare Grundstücke führen dazu, dass insgesamt weniger neue geförderte Wohnungen entstehen. Aber auch wenn die Preisbindung von Wohnungen ausläuft, bedeutet das nicht automatisch, dass die Mieten stark ansteigen“, so Rychter.

NRW-Wohnungswirtschaft: Keine weiteren Belastungen

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen ist im Jahr 2022 laut statistischem Landesamt IT.NRW im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent gesunken. VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter rechnet mit einem weiteren Rückgang. „Die 2022 fertiggestellten Wohnungen sind noch unter vollkommen anderen Rahmenbedingungen geplant und gebaut worden, als wir sie heute erleben. Wir werden in den kommenden Jahren einen signifikanten Einbruch der Baufertigstellungszahlen erleben. Auch die sinkenden Baugenehmigungszahlen verheißen nichts Gutes für die Branche insgesamt.“

Die vollständige Jahresstatistik und der Jahresbericht mit Videos, Kurzberichten und weiteren Zahlen zum Geschäftsjahr 2022/23 ist auf jahresbericht.vdw-rw.de zu finden.

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