Quartier
- Das Thema
Die Wohnungswirtschaft denkt im Quartier, die Kommunen planen es – und die Menschen fühlen es: Das Viertel ist emotionaler Ankerpunkt und Ort rationaler Lösungen.
Die Wohnungswirtschaft denkt im Quartier, die Kommunen planen es – und die Menschen fühlen es: Das Viertel ist emotionaler Ankerpunkt und Ort rationaler Lösungen. Vor allem aber ist es als Bezugspunkt unverzichtbar.
- Draufgeschaut
Das Quartier als Puzzle
So könnte das Quartiers-Puzzle aussehen, wenn es fertig ist. Wobei: So ganz fertig ist ein Viertel nie. Jedes Puzzle-Teil steht für eine Funktion, die erfüllt werden muss, damit sich Menschen in einem Viertel wohlfühlen. In der Realität ist eine Funktion, vor allem das Wohnen häufiger vorhanden als andere. Und die Vorgaben des Bebauungsplans wollen ja auch beachtet sein, Gewerbe ist nicht überall möglich. Aber nach dem Planungsmodell der 15-Minuten-Stadt sollten alle Dinge des täglichen Bedarfs innerhalb einer Viertelstunde zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. So greifen die verschiedenen Funktionen wie Puzzlestücke ineinander. Für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft die wichtigste Funktion: Die Menschen müssen eine Wohnung in dem Viertel haben, die sie finanziell nicht überlastet. Es sollte Grünflächen geben, Kinder sollten in die nahe gelegene Kindertagesstätte gehen und auf dem Spielplatz rutschen, schaukeln und buddeln können. Arztpraxen sollten ebenso wie Busse oder andere öffentliche Verkehrsmittel möglichst innerhalb weniger Minuten erreichbar, die Kneipe und die Bäckerei um die Ecke sein. Und die Schule nicht weit entfernt. Der Weg zu Geschäften für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sollte kurz sein, Mode-, andere Einzelhandelsgeschäfte oder Gewerbe ist wünschenswert, wenn denn vom Bebauungsplan zugelassen. Eine Kultureinrichtung ist ein gern gesehenes Puzzleteil. Ein Nachbarschaftszentrum, das möglicherweise vom Sozialmanagement eines Wohnungsunternehmens betreut wird, sorgt für weitere Begegnungsangebote, und eine Quartiersheizzentrale in der Idealvorstellung für klimaneutrale Wärme. Und weitere Funktionen wie Büros und Wohngemeinschaften sind denkbar. Wenn Wohnungsunternehmen und -genossenschaften neue Quartiere planen oder alte verändern, schaffen sie durch den Bau von Kitas, Ladenlokalen und Co. nicht selten die Voraussetzungen dafür, dass diese Funktionen erfüllt werden.
- Veranstaltung
Azubi-Forum: Wohnen - mehr als ein Wirtschaftsgut
Es waren drei intensive Tage für rund 50 Auszubildende aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft: das Azubi-Forum 2026 von EBZ Akademie und VdW Rheinland Westfalen Anfang Mai.2026. Im Mittelpunkt der praxisnahen Fachtagung standen Fragen rund um die Zukunft des Wohnens, der sozialen Verantwortung von Wohnungsunternehmen sowie die persönliche und fachliche Entwicklung junger Nachwuchskräfte. Zum Auftakt beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Spannungsfeldern zwischen Sozialgut und Wirtschaftsgut Wohnen. In Workshops und Diskussionen ging es um wohnungspolitische Herausforderungen, gesellschaftliche Entwicklungen und die Frage, wie Wohnungsunternehmen soziale Verantwortung umsetzen können. Fachreferent Friedrich-Alexander Flatters vom VdW Rheinland Westfalen vermittelte Grundlagen der Wohnungspolitik und diskutierte mit den Auszubildenden die Auswirkungen sozialpolitischer Entwicklungen auf die Branche. Ein besonderer Programmpunkt war am zweiten Veranstaltungstag die Exkursion zum Vivawest-Quartier Borsig-West in der Dortmunder Nordstadt. Vor Ort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Mehrgenerationenwohnen, studentisches Wohnen und integrierte Quartiersentwicklung.
- Polis 2026
Wie die Wohnungswirtschaft Städte und Quartiere prägt
Bei seinem Messeauftritt auf der Polis in Düsseldorf am 6. und 7. Mai 2026 hat der VdW Rheinland Westfalen dargestellt, wie die sozial orientierte Wohnungswirtschaft die Stadt- und Quartiersentwicklung prägt. Auf dem Gemeinschaftsstand unter anderem mit Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen und der NRW.BANK diskutierte der Verband über integrierte Quartiersmodernisierungen in der Kölner Kannebäckersiedlung (GAG Immobilien AG ) und im Zitadellenquartier am Niederrhein (Bauverein Wesel AG). "Integriert" sind die Modernisierungen deshalb, weil bei der Entwicklung eines Quartiers zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden müssen. Nicht nur die architektonische Qualität sollte aus Sicht der sozial orientierten Wohnungswirtschaft stimmen, auch generationen- und klimagerecht sollte das Quartier und vor allem mit bezahlbaren Mieten ausgestattet sein.
- Projekt 100 Wohngärten
Warum Gärten für Viertel wichtig sind
Ökologisch gestaltete Freiräume in einem Viertel sind mehr als "nice to have". Naturnahe, biodiversitätsfördernde Flächen, gemeinschaftlich entwickelte Angebote oder barrierefreie Sinnesgärten können Nutzung, Begegnung und Teilhabe gezielt fördern – besonders dann, wenn Mieterinnen und Mieter in die Gestaltung einbezogen werden. Das zeigte der vierte Praxis-Workshop der Initiative "100 Wohngärten" von IGA 2027 gGmbH und VdW Rheinland Westfalen anlässlich der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 im Ruhrgebiet. Auf dem Workshop in Gelsenkirchen Mitte April 2026 wurde diskutiert, wie Freiräume in Wohnquartieren Gesundheit und Nachbarschaft beitragen können – und welche Rolle die Wohnungswirtschaft dabei spielt. Die Impulse kamen dabei aus Wissenschaft und Praxis: Prof. Dr. Heike Köckler (Hochschule für Gesundheit Bochum) und Bastian Michael (Stadt Herne) zeigten, wie Freiflächen gezielt als Treiber für Gesundheitsförderung wirken können. Sandra Kesseboom (GEWOBAU Essen) machte anhand konkreter Beispiele deutlich, wie Sinnesgärten, generationenübergreifende Angebote und biodiversitätsfördernde Flächen sozialen Mehrwert im Quartier schaffen – insbesondere auch für vulnerable Gruppen wie Demenz-WGs. Projekte, die alle auch Teil der 100 Wohngärten sind und somit mit einer Urkunde ausgezeichnet wurden.
- IQ-Kongress
Wie gelingen innovative Quartiere?
Wie können Städte und Quartiere fit für die Zukunft gemacht werden? Antworten auf diese Frage diskutierten am 5. Februar 2026 mehr als 350 Fachleute aus Politik, Kommunen, Wissenschaft und Immobilienwirtschaft beim 4. Fachkongress für innovative Quartiersentwicklung im EBZ in Bochum. Eingeladen hatte das Deutsche Institut für Urbane Transformation (DIUT) der EBZ Business School (FH). Wohnungsunternehmen und -genossenschaften der sozial orientierten Wohnungswirtschaft gehören seit jeher zu den Stammgästen des Quartierkongresses. Vor dem Hintergrund tiefgreifender ökologischer, sozialer und ökonomischer Veränderungen widmete sich der Kongress einer rundum adäquaten Stadt- und Quartiersentwicklung. Betrachtet wurden dabei die Rollen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft und Kommunen hier, die der projektfreudigen Wissenschaft dort als Treiber urbaner Transformation. Prof. Dr. Daniel Kaltofen, Rektor der EBZ Business School, betonte die Bedeutung des fachlichen Austauschs: „Transformation heißt, Komplexität zu managen. Dafür braucht es Vernetzung, gegenseitiges Lernen und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Der IQ-Kongress bietet dafür den erforderlichen Rahmen.“
- Unterwegs
Lokale Identität erhalten
Sozial orientierte Wohnungsunternehmen und -genossenschaften schaffen mehr als bezahlbare Wohnungen für eine Stadt. Sie erhalten unter anderem identitätsstiftende Gebäude, die Viertel und Menschen prägen. So wie etwa die WohnBau Mönchengladbach, die eine alte Grundschule zu einem Wohnhaus umbaut. An der Knopsstraße im Mönchengladbacher Stadtteil Westend ist das Straßenbild unspektakulär: einfache Wohnbebauung, wenig architektonischer Glanz. Und doch sticht ein Bau deutlich hervor. Zurückgesetzt vom Straßenraum, von altem Baumbestand flankiert, erhebt sich ein historischer Backsteinbau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hier befand sich einst die evangelische Grundschule – ein Gebäude, das vielen Anwohnerinnen und Anwohnern bis heute etwas bedeutet. „Für viele ältere Menschen aus dem Viertel ist es ein Stück ihrer eigenen Geschichte. Manche sind selbst dort zur Schule gegangen“, betont Frank Meier, Vorstand und Geschäftsführer der WohnBau Mönchengladbach. „Wenn so ein Gebäude verschwindet, verschwindet oft auch ein Teil des kollektiven Gedächtnisses.“
- Veranstaltung
Drängende Diskussionen auf dem Sommerfest
Das Sommerfest der Wohnungswirtschaft brachte auch in diesem Jahr zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus Wohnungswirtschaft, Politik, Wissenschaft und Stiftungen zusammen. Auf dem EBZ-Campus in Bochum wurde nicht nur gefeiert, sondern auch intensiv diskutiert: über die sozialen, technischen und personellen Herausforderungen einer Branche, die sich mitten in Transformation und Krisenbewältigung befindet. Zu Beginn des Sommerfests rückte das Vortragsprogramm die großen Zukunftsthemen der Branche in den Mittelpunkt: Technik, Digitalisierung und die Menschen, die all dies gestalten. Den Auftakt bildete die Präsentation von Studienergebnissen zur Quartiersentwicklung, die eindrucksvoll zeigte, wie sich demografische Veränderungen, Migration, Einkommensunterschiede und die Überforderung vieler Kommunen konkret in den Stadtteilen widerspiegeln. „Die Krisen unserer Gesellschaft werden zuerst in den Quartieren sichtbar“, lautete eine zentrale Aussage. Deutlich wurde zugleich: Die Wohnungswirtschaft allein kann diese Herausforderungen nicht lösen, ist jedoch ein entscheidender Akteur vor Ort.
- Draufgeschaut
Tabula rasa?
Die Konversion von Flächen bedeutet einen Neuanfang für Wohnviertel, manchmal für ganze Städte. Ein Blick ins Paderborner Alanbrooke-Quartier, das früher militärisch genutzt wurde. Am Anfang stand der Schock: 2011 hatte die britische Armee angekündigt, aus Paderborn komplett abziehen zu wollen. 10.000 Soldatinnen und Soldaten plus Familien hatten bis dahin in der ostwestfälischen Stadt gelebt. Jetzt sollten sie aus dem Stadtbild verschwinden? 2018 revidierten die Streitkräfte diese Entscheidung zum Teil, einige militärische Gelände bleiben besetzt. Für drei Kasernenflächen mit insgesamt etwa 90 Hektar aber durfte die Stadt eine neue Nutzung finden. Den Anfang macht sie mit dem Alanbrooke-Quartier. Hier hat der britische Abzug eine 18 Hektar große Brache ins Herz der Stadt gerissen. Gerade einmal 1,4 Kilometer ist das Gebiet vom Zentrum entfernt. Was sollte die Stadt mit dieser Fläche anfangen? Wo liegen die Chancen für die Stadtentwicklung? Erst einmal „Tabula rasa“, also alle Gebäude dem Erdboden gleich machen, bei Null anfangen? Im Fall der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne ging das gar nicht, denn einige Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind denkmalgeschützt und stilprägend für das Quartier. Ein auf dem Reißbrett geplanter Neustart war also nicht möglich und auch nicht sinnvoll. 8Hauptfunktion: Wohnen Welche Funktion im neuen Alanbrooke-Quartiert erfüllt werden soll, war schon 2016, als das Strukturkonzept beschlossen wurde, recht schnell klar, so Lars-Christian Lange, Konversionsbeauftragter der Stadt Paderborn. „In dieser Innenstadtlage sollten vor allem Wohnungen entstehen, aber keine reine Schlafstadt, sondern eine mit Geschäften und sozialen Einrichtungen belebte Erdgeschosszone, ergänzt durch ein gutes Freiraumkonzept“, erklärt er. Der ehemalige Exerzierplatz bleibt als Freifläche erhalten, aus ihm heraus wird das grüne Rückgrat des Quartiers angelegt, das über seine Wegeachsen mit den anliegenden Stadtteilen verbunden wird. Früher lag die Kaserne quasi als