Kommune
- Das Thema
Stadt, Land, Wohnen
Die wesentliche Aufgabe der sozial orientierten Wohnungswirtschaft ist schnell formuliert: Gutes und bezahlbares Wohnen sichern. Doch wie sie gelöst wird, hängt von den Marktbedingungen vor Ort, dem Mitwirken der Städte und Gemeinden ab. Gleichzeitig erfüllen die Wohnungsunternehmen und -genossenschaften noch weit mehr Aufgaben im Interesse der Allgemeinheit. Nehmen wir Köln. Prognosen von IT.NRW zufolge wird die Stadt im Jahr 2050 fünf Prozent mehr Einwohner haben als 2021. Wenn sie denn eine Wohnung finden. Denn der Druck auf den Wohnungsmarkt ist schon jetzt immens, die Interessentenlisten für eine Wohnung sind lang. Die durchschnittliche Miete liegt in der Domstadt laut NRW.BANK bei 13,27 Euro pro Quadratmeter. Im Hochsauerlandkreis sieht es anders aus: Wenn die Vorhersage eintrifft, wohnen hier im Jahr 2050 11,4 Prozent weniger Menschen als 2021. Jede dritte Person in dem Landkreis wird dann laut IT.NRW älter als 65 Jahre alt sein. In Köln ist es zu dem Zeitpunkt nur ungefähr jede fünfte. Die Aufgabe, gutes und bezahlbares Wohnen bereitzustellen, hat in beiden Kommunen gänzlich andere Vorzeichen. Während es in Köln darum geht, möglichst viele bezahlbare Wohnungen zu schaffen und zu erhalten, müssen im Hochsauerlandkreis die Barrieren in vorhandenen Wohnungen abgebaut werden, damit die ältere Bevölkerung weiter in ihrem angestammten Umfeld wohnen kann. Aber auch das zu Preisen, die sich auch weniger wohlhabende Rentnerinnen und Rentner leisten können. Dabei haben die Kommunen selbst den Schlüssel dazu in der Hand, ob sozial orientierte Wohnungsunternehmen und -genossenschaften bezahlbares Wohnen schaffen und erhalten können. Im Vorfeld der kürzlichen Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen im September dieses Jahres hat der VdW Rheinland Westfalen in Positionspapieren aufgezeigt, welche Instrumente die Kommunalpolitik nutzen kann, um bezahlbares Wohnen zu ermöglichen. So sollten sie etwa bei ihren baurechtlichen Vorgaben darauf achten, dass günstige Mieten noch im
- Draufgeschaut
Tour statt Talk
Wer Aufgaben für das Gemeinwesen erfüllt, tut gut daran, im stetigen Dialog mit der Kommunalpolitik zu stehen. So wie die Arbeitsgemeinschaft Hagener Wohnungsunternehmen, die vor der Kommunalwahl einen Rundgang mit den Kandidatinnen und Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt organisierte. Die inhaltlichen Planungen zu einer politischen Talkrunde in der Hagener Stadthalle im Vorfeld der nordrhein-westfälischen Kommunalwahl waren schon weit vorangeschritten und die Location fast gebucht, als sich die Arbeitsgemeinschaft Hagener Wohnungsunternehmen umentschied: Sie luden die Hagener Kandidatinnen und Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt kurzerhand zu einer Sommertour durch die Bestände der Hagener Wohnungswirtschaft ein. Gemeinsam sollten einzelne Projekte und Wohnanlagen der Arbeitsgemeinschaft Hagener Wohnungsunternehmen besichtigt, die dortigen Bau-, Modernisierungs- oder besonderen Gegebenheiten angesehen und erklärt werden. „Beim Durchspielen der ursprünglich geplanten Veranstaltung hatten wir plötzlich einen Aha-Moment: Warum die Leistungen, aber auch die Probleme der sozial orientierten Wohnungsunternehmen und -genossenschaften nicht gleich vor Ort diskutieren, statt in einer klassischen Talkrunde, bei der in der Regel nur allseits bekannte Positionen und Standpunkte ausgetauscht werden?“, so Christoph Rehrmann, geschäftsführender Vorstand der Gemeinnützigen Wohnstättengenossenschaft Hagen eG (GWG) und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Hagener Wohnungsunternehmen. Gesagt getan: Die Hagener Wohnungswirtschaft lud ein und Kandidatinnen und Kandidaten von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und FDP sowie ein parteiloser Kandidat nahmen an. Am 10. Juni 2025 ging es, begleitet durch Radio Hagen, nach einem gemeinsamen Frühstück ab in den Bus und los zu insgesamt fünf Quartieren. Die Teilnehmenden erhielten dort einen umfänglichen Überblick über die aktuellen Herausforderungen im bezahlbaren Wohnungsbau und die Tätigkeiten und Projekte der Hagener Wohnungswirtsch
- Im Gespräch
„Auch auf dem Land werden die Mieten steigen müssen“
Auch in ländlichen Gebieten müssen Wohnungsunternehmen und -genossenschaften auf klimaneutrales Wohnen hinarbeiten. Nur unter ganz anderen wirtschaftlichen Bedingungen als in Städten. Im rheinland-pfälzischen Birkenfeld etwa lässt der Wohnungsmarkt kaum Spielraum für Investitionen zu, sagt Michael Schunck, Geschäftsführer der Kreissiedlungsgesellschaft Birkenfeld (KSG). Er berichtet, wie er trotzdem die Wärmewende stemmen möchte. Unser Gebäudebestand, der sich über den Landkreis Birkenfeld verteilt, besteht nahezu ausschließlich aus kleineren Häusern mit zwei bis sechs Wohneinheiten, überwiegend aus den 1950er- bis 1970er-Jahren, unsere Durchschnittsmiete liegt bei etwa 4,80 Euro pro Quadratmeter kalt. Eine neue klimafreundliche Heizung, zum Beispiel eine Wärmepumpe, kostet etwa 30.000 Euro – auf dem Land wie in der Stadt und völlig unabhängig davon, ob mir nun vier Euro oder 20 Euro Mietertrag zur Verfügung stehen. Irgendwie muss ich es refinanzieren – neben den zahlreichen anderen Instandhaltungen, die ein älteres Mietwohnhaus nun mal so verlangt. In der Konsequenz werden also auch bei uns auf dem Land die Mieten steigen müssen, im Verhältnis zur bisherigen Miete prozentual wohl sogar viel stärker als in Städten. Das gilt auch für unseren Bestand, dabei kalkulieren wir als kommunalnahes Unternehmen schon immer nur mit einer schwarzen Null, also nicht mit hohen Gewinnen. Leider leistet uns die Mietwohnraumförderung auch keine wirkliche Hilfe. Unsere Region ist in eine niedrige Mietenstufe eingruppiert, womit die Fördermiete für untere Einkommen auf 5,30 Euro begrenzt ist. Damit ist noch nicht einmal eine schwarze Null hinzubekommen. chunck: Ich muss meinen Vorgängern im Amt dankbar sein, dass sie in weiser Voraussicht bereits Ende der 1990er-Jahre mit der Wärmedämmung des Gebäudebestands begonnen haben. Stand heute sind deshalb bereits rund 90 % unserer 148 Wohnhäuser gedämmt, wenn auch nicht unbedingt nach neuestem energetischen Standard. Damit verfügen wir zunäc
- Wohnungsbaukonferenz
Wieder mehr bauen ermöglichen!
Vertretende aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und der sozial orientierten Wohnungswirtschaft haben sich bei der Wohnungsbaukonferenz des Rhein-Kreises Neuss über die aktuelle Situation am Wohnungsmarkt und über Lösungsmöglichkeiten zur Schaffung von neuen, bezahlbaren Wohnungen im Rhein-Kreis Neuss ausgetauscht. Vor Ort, in regionaler Nähe zu den stark nachgefragten Metropolen entlang der Rheinschiene, sind bezahlbare und klimagerechte Wohnungen knapp geworden. Das bemerken auch die vor Ort bestandshaltenden Wohnungsunternehmen und Wohnungsgenossenschaften des VdW Rheinland Westfalen, die gemeinsam mit den kommunalen Partnern im Rhein-Kreis Neuss das Ziel verfolgen, den Menschen entsprechende Wohnungsangebote machen zu können. VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter nahm an der Veranstaltung teil, die ein wichtiges Thema in einer sehr herausfordernden Zeit für den Neubau von bezahlbaren und klimagerechten Wohnungen auf die Tagesordnung im Kreishaus von Grevenbroich brachte.