Wie sehen die Teams der Zukunft aus?
Die Arbeitswelt der sozial orientierten Wohnungswirtschaft verändert sich rapide. Welche Entwicklungen sind zukunftsprägend? Welche Auswirkungen ziehen diese im Hinblick auf das Thema Personal nach sich? Was macht in Zeiten des personellen und gesellschaftlichen Wandels eine anpassungsfähige und erfolgreiche Belegschaft aus?
Über zukunftsweisende Personal-Strategien und Entwicklungen im Beriech HR diskutierten beim 11. Forum Personal namhafte Referenten mit rund 100 teilnehmenden Gästen aus den Vorständen, Geschäftsführungen und Personalabteilungen aus Wohnungsunternehmen und -genossenschaften.
Die Belegschaft der Zukunft: neue Rollen, neue Kompetenzen
Zwar beschäftigen sich alle mit dem Fachkräftemangel, doch gibt es noch keine perfekte Lösungsstrategie. Durch den demografischen Wandel fallen Mitarbeitende weg. Bei der Schließung der Personallücken ist es wichtig, vorher zu analysieren, welche Rollen in Zukunft in den Wohnungsunternehmen und Wohnungsgenossenschaften gebraucht werden. Denn die Rollen und Tätigkeiten innerhalb der Branche verändern sich. Darauf muss innerhalb der strategischen Personalplanung reagiert werden.
Auf Grundlage der Studie „Zukunftsfähige Belegschaftsstrukturen“ gab Rüdiger Grebe, Leiter der EBZ Akademie, wichtige Hinweise. „In Zukunft werden Wohnungs- und Immobilienunternehmen mehr als Energieanbieter, Flächenmakler, Anbieter von individualisiertem Wohnraum und als sozial kompetenter, ökologisch nachhaltiger Quartiersgestalter tätig sein.“
Das bedeutet, dass an alle Stellen künftig mehr digitale, mehr betriebswirtschaftliche, mehr kunden- und dienstleistungsorientierte und mehr personalagile Anforderungen gestellt werden. Dies gilt es bei der Personalsuche und Personalbesetzung mitzudenken. Zudem sei es wichtig, dass Mitarbeitende ein Mindset entwickeln, das sie flexibler, anpassungsfähiger und kreativer macht, so Grebe.
Ob die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum, Integration oder Energiewende – Alexander Rychter, der Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen, hob die sinnstiftende Arbeit der sozial orientierten Wohnungswirtschaft hervor. Immer mehr Wohnungsunternehmen und Wohnungsgenossenschaften stellen beim Werben um neue Mitarbeitende genau diese Vorzüge nach außen. „Der Trend zum Werben“ sei wichtig in Zeiten des Fachkräftemangels und demografischen Wandels, so Rychter.
Rekrutierungsbaustein und Bindungsinstrument: Expertenkarrieren
Um Quereinsteigerinnen und -einsteiger für eine Tätigkeit in der sozial orientierten Wohnungswirtschaft zu begeistern, aber auch um bestehende Mitarbeitende zu halten, ist es wichtig, ihnen Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen.
Die unterschiedlichsten Karrieren können da eine Möglichkeit bieten. Sie fördern das Potenzial von Mitarbeitenden und bauen es unternehmensrelevant aus, gleichzeitig binden die Optionen Potenzialträger an das Unternehmen und schaffen Experten bzw. Expertinnen mit zukunftsweisenden Knowhow, wovon Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren.
Denn der Wegfall von Erfahrungswerten, da waren sich alle Teilnehmer einig, stellt eine der größten Herausforderungen für Wohnungsunternehmen und -genossenschaften dar. Aber wie kann das bestehende Wissen der Teams gespeichert und nutzbar gemacht werden?
Prof. Dr. Ina Kohl, Professorin für Wirtschaftspsychologie, BSP Business & Lay School Berlin, zeigte Methoden des Wissenstransfers auf und sensibilisierte für die wichtigen Erfolgsfaktoren. So müssen Wohnungsunternehmen und Genossenschaften beispielsweise Räume und Möglichkeiten für eine Kommunikation zwischen den Generationen schaffen.
Einsatz von KI in der Arbeitswelt
Künstliche Intelligenz wird immer mehr Einzug in die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft erhalten, damit rechneten alle Verantwortlichen, die bei der Fachtagung zu Gast waren. Bei manchen Tätigkeiten, die Mitarbeitende derzeit ausführen, kann KI helfen bzw. KI die Arbeit übernehmen. Auf diesem Wege gilt es die Mitarbeitenden mitzunehmen, denn Digitalisierung und KI sind schwer greifbare Themen, denen nicht selten mit Skepsis begegnet wird.
Wo KI Arbeit abnimmt, können andere Aufgaben übernommen werden. Auch hier ist es wichtig, die Mitarbeitenden frühzeitig vorzubereiten, denn sie müssen befähigt werden, diese auch auszuüben. Auch hier ist strategische Personalentwicklung von großer Bedeutung.
Personalarbeit in den Unternehmen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Sie bildet die Grundlage, um die Transformation mitzugestalten. Dafür ist es wichtig, eine Lern- und Wissenskultur im Unternehmen zu etablieren, die von den Führungskräften vorgelebt wird. Diese Arbeit wiederum entlastet letztendlich das Management und trägt dazu bei, jedes Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.
Das 11. Forum Personal wurde organisiert von der EBZ Akademie, der Akademie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, dem VdW Baden-Württemberg, dem VdW Rheinland Westfalen, dem VNW, dem VdW südwest, dem VdW Niedersachsen Bremen, dem VdW Bayern, dem VdW Thüringen, der BBA sowie dem Arbeitgeberverband der Deutschen Immobilienwirtschaft.
Das nächste Forum Personal findet im Frühjahr 2025 in Nürnberg statt.
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