Studie
- Fachwissen
Überfordert
Die Viertel in deutschen Städten stehen unter Druck, in ihnen zeigen sich gesellschaftliche Entwicklungen am deutlichsten. Die Studie „Überforderte Quartiere“ des InWIS Instituts für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung aus dem Jahr 2025 zeichnet ein alarmierendes Bild. Sie beschreibt Nachbarschaften, in denen sich soziale Probleme verdichten, staatliche Strukturen an ihre Grenzen stoßen und Perspektiven schwinden. Die Diagnose ist klar – und sie ist nicht neu. Doch ihre Dringlichkeit hat sich verschärft. Bereits vor über zwei Jahrzehnten wurde in einer Studie für den GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen auf ähnliche Entwicklungen hingewiesen. Doch heute, so die Autorinnen und Autoren von InWIS, sei die Lage ernster denn je. „Heute sind überforderte Quartiere zur alltagsprägenden Realität geworden – sichtbare Symptome einer umfassenden gesellschaftlichen Erschöpfung.“ Was früher als punktuelles Problem galt, sei inzwischen vielerorts Normalität.
- Wohnen im Quartier
Neue Studie zeigt soziale Schieflagen und Wege aus der Überforderung
Manchmal reicht ein Satz, um den Ernst der Lage zu umreißen. „Es sind kaum neue Erkenntnisse darin zu finden. Es ist alles nur schlimmer geworden“, fasste Prof. Dr. Torsten Bölting die Ergebnisse der neuen InWIS-Studie „Überforderte Quartiere. Engagement – Auswege – Lösungen“ bei ihrer Vorstellung am 6. Mai 2025 zusammen. Der Anlass war die Verleihung des bundesweiten Wettbewerbs „Preis Soziale Stadt“, der seit Jahren lokale Engagements für bessere Lebensbedingungen würdigt – in Stadtteilen, die oft im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Die nun vorgelegte Studie zeigt: Der Schatten wird länger. Bereits 1998 machte der GdW mit einer Vorgängerstudie auf sogenannte „überforderte Nachbarschaften“ aufmerksam – Stadtteile, die unter einem Ballungsraum sozialer Problemlagen leiden. Über 25 Jahre später zeigt die Neuauflage: Armut, Migration, Wohnungsknappheit, Überalterung, Vereinsamung – die gesellschaftlichen Herausforderungen haben sich nicht nur verstärkt, sie konzentrieren sich zunehmend auf bestimmte Quartiere. Dort bröckelt nicht nur das Miteinander, sondern auch das Vertrauen in Institutionen und demokratische Strukturen.