Pressemitteilung
Sozial orientierte Wohnungswirtschaft in Rheinland-Pfalz fordert von kommender Landesregierung entschlossenes Handeln
Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft in Rheinland-Pfalz sieht in dem von CDU und SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag eine gute Grundlage für bezahlbares Wohnen. Sie fordert aber entschlossenes Handeln insbesondere in der Wohnraumförderung und bei den Bauvorschriften.
Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW Rheinland Westfalen) und der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) bewerten die im Koalitionsvertrag skizzierte Wohnungspolitik in Rheinland-Pfalz grundsätzlich positiv. Wesentliche aktuelle Herausforderungen würden adressiert, etwa die viel zu lange Bearbeitungsdauer von Wohnraumförderanträgen und die Überarbeitung von Bauvorschriften.
Wichtig sei aber vor allem, dass das Thema Bauen und Wohnen, das bisher dem Finanzressort angehörte, auch im neuen Ministeriumszuschnitt eine entsprechende Gewichtung erfahre und etablierte Strukturen erhalten blieben. Als gutes Signal werten die Verbände, dass die Kooperation im Bündnis Bezahlbares Wohnen und Bauen Rheinland-Pfalz fortgeführt werden soll. Auch dass der Bereich „Kommunen“ nun in das für die Wohnungspolitik federführende Ressort falle, stößt auf Zustimmung, denn auch die Kommunen tragen Verantwortung für das bezahlbare Wohnen.
Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen, mahnt dennoch: „Die kommende Landesregierung muss Mut zu Reformen haben. Teilweise 18 Monate benötigt die Genehmigung eines Wohnraumförderantrages aktuell, eine absurd lange Zeit, in der die Baustellen, auf denen bezahlbare Wohnungen entstehen sollen, stillstehen müssen.“ Und in dieser Zeit würden die Baukosten immer weiter steigen, was zum Kippen des gesamten Investitionsvorhabens führen könne. „Die Förderung muss dringend verschlankt und digitalisiert werden, so wie dies auch im Koalitionsvertrag angedeutet wird.“ Mit der Wohnraumförderung werden Wohnungen gefördert, deren Miete eine regional unterschiedliche Höchstgrenze nicht überschreiten darf. Sie sei ein wesentlicher Baustein, um bezahlbares Wohnen zu ermöglichen, so Rychter.
Diesen Mut zur Veränderung benötigt die kommende Landesregierung laut Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest, auch bei der Reform der Landesbauordnung, in der die wesentlichen Bauvorschriften festgehalten sind. „Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, dass die Landesbauordnung im Zuge einer weiteren Anpassung an die Musterbauordnung neu gefasst wird. Eine bloße Anpassung ist aber zu wenig. Andere Bundesländer sind da viel weiter und stellen mit ihren Bauordnungen die Weichen, damit Bauen wieder schneller, einfacher und günstiger werden kann. Dazu gehören etwa die konsequente Verschlankung und Digitalisierung sämtlicher Genehmigungsprozesse sowie der Verzicht auf nicht sicherheitsrelevante und kostentreibende Bauvorschriften. Wer Bauen und Wohnen ernsthaft günstiger machen will, muss echten Reformeifer beweisen und weit über die Musterbauordnung hinaus gehen“, so Dr. Tausendpfund.
Kontakt
Für Sie da:
Katrin Stamm
Andreas Gröhbühl
Ähnliche Artikel
- Veranstaltung
Azubi-Forum: Wohnen - mehr als ein Wirtschaftsgut
Es waren drei intensive Tage für rund 50 Auszubildende aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft: das Azubi-Forum 2026 von EBZ Akademie und VdW Rheinland Westfalen Anfang Mai.2026. Im Mittelpunkt der praxisnahen Fachtagung standen Fragen rund um die Zukunft des Wohnens, der sozialen Verantwortung von Wohnungsunternehmen sowie die persönliche und fachliche Entwicklung junger Nachwuchskräfte. Zum Auftakt beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Spannungsfeldern zwischen Sozialgut und Wirtschaftsgut Wohnen. In Workshops und Diskussionen ging es um wohnungspolitische Herausforderungen, gesellschaftliche Entwicklungen und die Frage, wie Wohnungsunternehmen soziale Verantwortung umsetzen können. Fachreferent Friedrich-Alexander Flatters vom VdW Rheinland Westfalen vermittelte Grundlagen der Wohnungspolitik und diskutierte mit den Auszubildenden die Auswirkungen sozialpolitischer Entwicklungen auf die Branche. Ein besonderer Programmpunkt war am zweiten Veranstaltungstag die Exkursion zum Vivawest-Quartier Borsig-West in der Dortmunder Nordstadt. Vor Ort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Mehrgenerationenwohnen, studentisches Wohnen und integrierte Quartiersentwicklung.
- Polis 2026
Wie die Wohnungswirtschaft Städte und Quartiere prägt
Bei seinem Messeauftritt auf der Polis in Düsseldorf am 6. und 7. Mai 2026 hat der VdW Rheinland Westfalen dargestellt, wie die sozial orientierte Wohnungswirtschaft die Stadt- und Quartiersentwicklung prägt. Auf dem Gemeinschaftsstand unter anderem mit Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen und der NRW.BANK diskutierte der Verband über integrierte Quartiersmodernisierungen in der Kölner Kannebäckersiedlung (GAG Immobilien AG ) und im Zitadellenquartier am Niederrhein (Bauverein Wesel AG). "Integriert" sind die Modernisierungen deshalb, weil bei der Entwicklung eines Quartiers zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden müssen. Nicht nur die architektonische Qualität sollte aus Sicht der sozial orientierten Wohnungswirtschaft stimmen, auch generationen- und klimagerecht sollte das Quartier und vor allem mit bezahlbaren Mieten ausgestattet sein.
- Auszeichnung
Nichtwohngebäude der Wohnungswirtschaft ausgezeichnet
Auch wenn es mal nicht ums Wohnen geht, strengt sich die sozial orientierte Wohnungswirtschaft beim Klimaschutz an. Und das wurde am 22. April 2026 von der NRW-Landesgesellschaft Energy4Climate honoriert. Ein Verwaltungsgebäude und eine Kita wurden als „Energieeffiziente Nichtwohngebäude in NRW“ ausgezeichnet, weil sie energetisch ambitioniert und dabei wirtschaftlich praktikabel gebaut worden sind. So setzte die Wohnungsgenossenschaft Essen-Nord eG beim Neubau ihres vierstöckigen Verwaltungsgebäudes auf Wärme aus einem Eisspeicher. Eine 80 Kilowatt Peak PV-Anlage deckt jahreszeitabhängig einen Großteil des Strombedarfs. Das energetische Gesamtkonzept löst zwei Herausforderungen gleichzeitig: klimafreundliches Heizen im Winter und zunehmend notwendige Kühlung im Sommer. Außerdem wurde die Kita im Herkenweg in Rheinhausen ausgezeichnet, die von der GEBAG 2024 eröffnet wurde. Mit einem Modulbau in Stahl-Holz-Hybridbauweise im anspruchsvollen KfW-40-Standard wurden mehr als 76 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
- Treffpunkt Sozialarbeit
"Messies": Betroffenen helfen, andere schützen
Werden große Mehrfamilienhäuser modernisiert, stoßen Wohnungsunternehmen regelmäßig auf Messie-Wohnungen: Von hundert Wohnungen sind etwa drei bis vier betroffen. So lautet die Erfahrung von Michael Schröter, Direktor der Erste deutsche Messie-Akademie, die er in einem Seminar beim VdW-Treffpunkt Sozialarbeit im März 2026 teilte. Dass das Problem in der sozial orientierten Wohnungswirtschaft virulent ist, zeigt auch die rege Teilnahme an dem Seminar. Es musste wegen der vielen Anmeldungen wiederholt werden. Dabei wurde vor allem diskutiert, wie man den betroffenen Menschen helfen, die Nachbarn aber auch schützen könne. Schröter verdeutlichte in dem Seminar, dass das "pathologische Horten", wie die psychische Erkrankung medizinisch korrekt heißt, viele Ausprägungen habe. Betroffen seien Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, viele Betroffene stünden erfolgreich im Arbeitsleben und hätten ein aktives soziales Umfeld. Zur Einordnung wichtig sei die Unterscheidung zwischen „Vermüllern“ und „Sammlern“.