Pressemitteilung
Vorsichtige Erholung auf niedrigem Niveau – Mehr nötig für Trendwende
- Investitionen: Bestand vor Neubau
- Neubau: Öffentliche Wohnraumförderung stabilisiert
- Mieten: Klimaschutz bekommt Preiseetikett
Aus Sicht der sozial orientierten Wohnungswirtschaft lässt sich im nordrhein-westfälischen Wohnungsbau nicht mehr als eine vorsichtige Erholung erkennen. Zwar befinde sich das Investitionsklima für den Neubau bei den Mitgliedern des VdW Rheinland Westfalen nicht mehr im freien Fall, dies sei allerdings nur als vorsichtige Erholung zu werten, so VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter. „Für eine Trendwende ist die Politik gefragt, gerade auf Bundesebene.“
Die Erwartungen an die sozial orientierte Wohnungswirtschaft sind anhaltend hoch. Mehr neue Wohnungen sollen gebaut, bereits bestehende mit Blick auf die geforderte Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 modernisiert und energetisch ertüchtigt werden. Die Mieten sollen dabei für mittlere und untere Einkommensklassen bezahlbar bleiben – auch und gerade in den Großstädten. Doch Bauen bleibt teuer, der wohnungspolitische Weg auf Bundesebene ist bislang lediglich skizziert. Das hat Konsequenzen für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft und die Mieterinnen und Mieter in Nordrhein-Westfalen.
Allgemeine Baukosten- und Mietenentwicklung
Unverändert hohe Preise für Bauleistungen, für Baumaterialien und ein weiterhin schwieriges Zinsumfeld sorgen beim bezahlbaren Wohnungsbau weiterhin für Schritttempo statt Tempofahrt.
Die Herstellung eines Quadratmeters Wohnfläche hat sich von 2020 bis 2025 um 32,3 Prozent verteuert. Damit steigen auch die Kosten zur Herstellung einer Mietwohnung. Bei gleicher Investitionssumme sinkt damit die Anzahl hergestellter Wohnungen. Auch die Kreditkonditionen haben zu der Teuerung beigetragen: Die Bedingungen zur Aufnahme von Fremdkapital haben sich seit Januar 2022 merklich verschlechtert und pendeln sich derzeit zwischen 3 und 4 Prozent ein.
Die Kostenentwicklung ist auch bei Instandhaltungsleistungen zu spüren, um 49,1 Prozent verteuerten sich diese zwischen dem vierten Quartal 2019 und dem ersten Quartal 2025. Den Entwicklungen zum Trotz bleibt die Mietenentwicklung vergleichsweise moderat. Die Preissteigerung der Netto-Kaltmieten im Bestand lag bundesweit in diesem Zeitraum lediglich bei +10,1 Prozent und damit unter der allgemeinen Preissteigerung von +21,4 Prozent.
Mietniveau der VdW-Mitglieder bleibt unter NRW-Durchschnitt
Der Blick nach Nordrhein-Westfalen zeigt: Die Mitglieder des VdW Rheinland Westfalen bleiben der Garant bezahlbaren Wohnens. Die durchschnittlichen Netto-Kaltmieten der VdW-Mitglieder stiegen im Zeitraum 2021-2024 um 8,7 Prozent. Absolut gesehen lagen sie in 2024 bei 6,45 Euro und damit weiterhin unter den Bestandsmieten in NRW (7,03 Euro). Zunehmend schlagen sich jedoch die allgemeinen Preissteigerungen und die Bemühungen um klimaneutrale Gebäudebestände nieder, deren Investitionserfordernisse die sozial orientierten Wohnungsunternehmen und -genossenschaften belasten. „Die Energiewende bekommt ein Preisschild, das bekommen auch Mieterinnen und Mieter zu spüren“, sagt Alexander Rychter. Deutlich stärker allerdings als die Entwicklung der Netto-Kaltmieten wirkt sich die Entwicklung der kalten und warmen Betriebskosten auf die Mieterinnen und Mieter aus. Hier liegen die Steigerungen im gleichen Zeitraum bei 62,8 Prozent (warme Betriebskosten) und 10,9 Prozent (kalte Betriebskosten). Dies ist insbesondere auf die Gaspreissteigerungen in dieser Zeit zurückzuführen.
Bleibende Zurückhaltung bei Investitionen bremst Neubau
Die Investitionen der VdW-Mitglieder lagen im Jahr 2024 bei rund 3,8 Milliarden (Mrd.) Euro und damit leicht unter Vorjahresniveau (3,9 Mrd.). Rund 2,4 Mrd. Euro (Vorjahr 2,2 Mrd.) entfielen auf Bestandsmaßnahmen, rund 1,5 Mrd. Euro (Vorjahr 1,7 Mrd.) auf den Wohnungsneubau. Bei etwa gleichbleibendem Investitionsvolumen investierten die VdW-Mitglieder damit stärker als im Vorjahr in die Bestandsmodernisierung als in den Neubau.
Dies bestätigt eine aktuelle Umfrage von NRW.BANK und VdW Rheinland Westfalen*, derzufolge aktuell 79 Prozent der Befragten das Investitionsklima für den Neubau von Mietwohnungen als eher schlecht bzw. schlecht wahrnehmen, insbesondere aufgrund der aktuellen Baubedingungen. Zwar planen gut die Hälfte der befragten VdW-Mitglieder die Neuerrichtung von Wohnungen für 2027 und später – vor allem aufgrund der aktuellen Nachfragesituation und des auskömmlichen und bedarfsgerechten Angebots der öffentlichen Wohnrumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Verzögerte Baugenehmigungen, mangelnde Verfügbarkeit von Bauunternehmen und Handwerkerkapazitäten, aber vor allem Baukosten, energetische Anforderungen an die Gebäude und die aktuellen Kapitalmarktbedingungen hemmen jedoch ein darüber hinaus gehendes Engagement nach wie vor.
Die Baugenehmigungs- und Baufertigstellungszahlen für Nordrhein-Westfalen bestätigen die anhaltende Zurückhaltung beim Thema Neubau. Seit 2023 werden pro Jahr mehr Wohnungen fertiggestellt, als neue genehmigt werden. Im Jahr 2024 wurden 41.025 Wohnungen fertiggestellt (2023: 48.148) und nur 40.554 genehmigt (2023: 43.603). „Die Genehmigungen von heute sind die Wohnungen von morgen. Diese Entwicklung sollte der Politik zu denken geben“, sagt VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter. Die VdW-Mitglieder stellten im Jahr 2024 insgesamt 5.190 Wohnungen fertig, 435 mehr als im Vorjahr, 4.742 davon sind Mietwohnungen.
Klimaneutrale Gebäudebestände als dringlichster Investitionsbedarf
Der derzeit dringlichste Investitionsbedarf wird von den befragten Wohnungsunternehmen und -genossenschaften in der Sanierung bzw. Modernisierung der Wohnungsbestände zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 gesehen.
Gas aus dem öffentlichen Gasnetz ist derzeit für viele Wohnungsunternehmen und -genossenschaften (rund 82 Prozent der Befragten) noch der wesentliche Energieträger zum Heizen des Immobilienbestands. Bei aktuellen und geplanten Maßnahmen setzen 68 Prozent der Befragten auf Umweltwärme aus Luft und Erdreich (Wärmepumpe). An zweiter Stelle (34 Prozent) folgt Fernwärme. Als Folge davon hat sich der Anteil der Wohnungsbestände mit den Energieeffizienzklassen A+, A, B und C im Vergleich zu den Jahren 2023 und 2024 erhöht. „Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft tut, was sie kann. Daran, dass diese Modernisierungen immer mehr Geld kosten, kann aber auch sie nichts ändern“, sagt VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter.
Um in der Folge die Mieten bezahlbar zu halten, sind Fördermittel wichtig. Folgerichtig halten die VdW-Mitglieder die Förderkulisse für die energetische Modernisierung von Wohnungsbeständen für sehr wichtig (73 Prozent). An zweiter Stelle folgen in der Umfrage umfassende Information und Beratung über finanzielle Möglichkeiten der energetischen Bestandsmodernisierung (63 Prozent) sowie eine ausreichende Datenlage und eine vorhergehende Bestandsanalyse.
Öffentliche Wohnraumförderung als Stabilitätsanker
Die Wirksamkeit einer bedarfsgerechten und auskömmlichen Förderkulisse zeigt sich an der Inanspruchnahme des Wohnraumförderprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen durch die Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften des VdW Rheinland Westfalen. Im Jahr 2024 riefen sie rund 621 Millionen Euro an Fördermitteln für die Mietwohnraumförderung ab. Das sind 32,8 Prozent aller abgerufenen Fördermittel. Damit haben sie 3.208 mietpreisgebundene, klima- und generationengerechte Wohnungen in lebenswerten Quartieren geschaffen.
„Für eine Trendwende insbesondere im Wohnungsbau sind politische Reformen notwendig, wie sie zum Teil auf Bundesebene skizziert sind“, sagt Rychter. Seine Beispiele: Die Einführung des Gebäudetyps E, eine Verstetigung der energetischen Förderung zu guten Bedingungen und ein Perspektivwechsel in der Förderpolitik. „Nicht die theoretische Energieeffizienz eines Gebäudes sollte gefördert werden, sondern die praktische CO²-Einparung. Das würde die Kosten reduzieren und damit Mieterinnen und Mieter entlasten.“
* Umfrage der NRW.BANK und des VdW Rheinland Westfalen unter Beteiligung von 138 Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften. Die Befragung lief vom 24. Juni bis zum 22. Juli 2025.
Auf Anfrage senden wir Ihnen gerne einige Grafiken unserer Präsentation als Vektordatei zu. Schreiben Sie einfach eine kurze Mail an presse@vdw-rw.de.
Die Jahrespressekonferenz 2025 im Video
Aus Sicht der sozial orientierten Wohnungswirtschaft lässt sich im nordrhein-westfälischen Wohnungsbau nicht mehr als eine vorsichtige Erholung erkennen. Diese Einschätzung teilte der VdW Rheinland Westfalen auf seiner Jahrespressekonferenz am 9. September 2025 mit. Zwar befinde sich das Investitionsklima für den Neubau bei den Mitgliedern des VdW Rheinland Westfalen nicht mehr im freien Fall, dies sei allerdings nur als vorsichtige Erholung zu werten, so VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter. „Für eine Trendwende ist die Politik gefragt, gerade auf Bundesebene.“
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