thema der Wohnungswirtschaft
N°1 – Der perfekte Sturm

Wohnen weiter denken – und zwar in Lösungen

„Als Wirtschaftsverband haben wir die Aufgabe, Lösungen aufzuzeigen und zu diskutieren“

Jammern hilft nicht: Ja, Zinsen und Baukosten sind gestiegen, bezahlbare Wohnungen zu bauen ist aktuell nur schwer möglich. „Doch als Wirtschaftsverband haben wir die Aufgabe, Lösungen aufzuzeigen und mit den Wohnungsunternehmen und -genossenschaften zu diskutieren“, sagte Verbandsdirektor Alexander Rychter auf dem 25. VdW-Forum der Wohnungswirtschaft am 9. Juni 2026 in Düsseldorf. 

So standen auf dem Programm Workshops und Diskussionen zur Umsetzung des so genannten Wohnungsbau-Turbos, zum seriellen Bauen und Sanieren, zur kostengünstigeren Umsetzung der Wärmewende im Quartier, zur Einbindung Künstlicher Intelligenz in den Unternehmensalltag und zur Zusammenarbeit innerhalb der Branche. Gleichzeitig wurde klar, dass die Senkung der Baukosten nur im Zusammenspiel mit der Politik gelingt. Applaus erntete deshalb NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach, als sie in ihrem Grußwort versprach, die Landesbauordnung so zu reformieren, dass günstigeres Bauen möglich werde.

Beifall der mehr als 400 Teilnehmenden

Zudem sprach sie die Bauministerkonferenz Ende der Woche in Berlin an, in die die Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern eine gemeinsame Initiative eingebracht haben, mit der die Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen bundesweit einheitlich geregelt und erschwert werden soll. Mit der SPD einig sei man sich darin, dass die EU mit ihren Vorgaben zur Wohnungspolitik die spezifischen Verhältnisse auf dem deutschen Wohnungsmarkt verkenne. Auch dafür gab es Beifall im Rund der mehr als 400 Teilnehmenden. 

Quelle: Baege/VdW Rheinland Westfalen

Architektonische Lösungen für lebendige Quartiere präsentierte Sarah Escher, aus der Geschäftsleitung von Duplex Architekten. „Es ist wichtig, dass wir Gebäude entwerfen, die Begegnungen herausfordern“, sagte sie. Auch das Wohnquartier müsse durch geschickte Planung der Zwischenräume in dieser Hinsicht gestaltet werden. Ihr Credo: Gute Wohnsiedlungen schaffen Verantwortung, eine Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Viertel und lebendige Nachbarschaften.

Quelle: Baege/VdW Rheinland Westfalen

Derartige Nachbarschaften, in denen die Menschen ein Auge aufeinander haben, sind auch ein Teil der Lösung, sollten plötzliche Katastrophen, wie ein langanhaltender Stromausfall, extreme Naturereignisse oder eine Gasmangellage eintreten. Darauf machte Dr. Michael Judex, Referatsleiter im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die Teilnehmenden aufmerksam. Angestoßen durch den tagelangen Stromausfall in Berlin in diesem Winter müssen sich die Wohnungsunternehmen und -genossenschaften wohl oder übel mit den Auswirkungen einer solchen Katastrophe auf ihre Mieterinnen und Mieter auseinandersetzen. A und O ist laut Dr. Judex eine Dokumentation, in der im Krisenfall nachgeschlagen werden kann, wie sich die Mitarbeitenden verhalten sollten, woher sie wichtige Informationen bekommen können und wie die Kontaktdaten zu Ansprechpartnerinnen und -partnern lauten.

Quelle: Baege/VdW Rheinland Westfalen

Beim Bundesverband GdW deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und dem VdW Rheinland Westfalen werden aktuell Arbeitsgruppen eingerichtet, um entsprechende Hilfen für die Wohnungswirtschaft zu erarbeiten. VdW-Verbandsdirektor machte die Bedeutung der Vorsorge klar, indem er die Mitglieder im Saal direkt ansprach: „Wissen Sie, was sie tun müssen, wenn in Gebäuden mit 50.000 Wohnungen gleichzeitig die Fahrstühle stecken geblieben sind, weil der Strom flächendeckend ausgefallen ist?“

Seriell bauen, KI einsetzen, den Bau-Turbo nutzen

Welche Lösungen für die aktuelle Wohnungsbaukrise aktuell auf dem Tisch liegen, diskutierten fünf Workshops. So zeigten etwa Mitgliedsunternehmen aktuelle Projekte, bei denen sie seriell bauen oder sanieren. Aus kommunaler Perspektive wurde der Einsatz des so genannten Bau-Turbos erklärt, bei dem es stark auf den Willen der Städte und Gemeinden ankommt, ob er in der Praxis Wirkung entfaltet. Praktische Beispiele für den flächendeckenden Einsatz klimaneutraler Wärme wurden ebenso erörtert, wie Kooperationsmodelle und Ausgründungen als Lösung komplexer Probleme. Wie Künstliche Intelligenz schon heute bei Prozessen unterstützen kann, war ebenfalls Thema.

Am Ende der eintägigen Fachveranstaltung fuhren die Mitglieder des VdW Rheinland Westfalen mit vielen Einblicken in konkrete Projekte und mögliche Lösungen nach Hause – aber auch mit der Erkenntnis, dass die Wohnungsbaukrise ohne Unterstützung der Politik nicht zu lösen sein wird.

Quelle: Baege/VdW Rheinland Westfalen

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