Wie eine richtige Familie – mit Hühnern
Im Wittener Stadtteil Bommern wohnen sieben Seniorinnen Senioren in einer Wohngemeinschaft zusammen. Ein Pflegedienst hilft ihnen im Alltag, die Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG sorgt mit Rikschafahrten und dem Besuch von Tieren für Abwechslung und seit neuestem sorgt auch ein Kindergarten für fröhlichen Trubel.
„Da fühle ich im ich wie Königin Beatrix!“
– Bärbel Blum, Bewohnerin
Wenn die Tiere vorbeikommen, freuen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Wittener Wohngemeinschaft am meisten. Alpakas, Hunde und Hühner sind, organisiert von der Witten-Mitte eG, des Öfteren zu Besuch. Und die wollen gefüttert, versorgt und gestreichelt werden. So bleiben die Bewohnenden aktiv und ihr Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt. Auch die regelmäßigen Rikschafahrten der Evangelischen Kirchengemeinde durch den Stadtteil sind sehr beliebt. „Da fühle ich mich wie Königin Beatrix“, sagt Bewohnerin Bärbel Blum.
Auf insgesamt 300 Quadratmetern wohnen sieben Seniorinnen und Senioren fast wie eine richtige Familie zusammen. Alle haben ein privates Apartment mit barrierefreiem Bad, das ganz individuell gestaltet werden kann. Gemeinschaftlich teilen sie sich einen großen Küchen-, Ess-, und Wohnzimmerbereich sowie einen schönen Garten, der als Sinnesgarten angelegt ist.
Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke sind für alle Mieter zugänglich in einem Hauswirtschaftsraum untergebracht und in einem Gästezimmer können Verwandte und Besucher auch über Nacht bleiben. Die Lage der WG ist ideal: Im grünen Stadtteil Witten-Bommern und gleichzeitig „mittendrin“. Geschäfte, Arztpraxen, Apotheken und Cafés sind fußläufig erreichbar, in die Wittener Innenstadt fährt man mit dem Bus ebenfalls in wenigen Minuten.
Entstanden ist die Projektidee 2007 aufgrund der schon damals wahrnehmbaren demographischen Veränderungen, die sich bis heute fortsetzen: Vereinzelung, verstreut wohnende Familien, bei denen die Kinder häufig nicht in derselben Stadt wie die Eltern leben, und damit einhergehend: Vereinsamung im Alter. Viele ältere Menschen haben häufig nur den Pflegedienst als regelmäßigen Sozialkontakt und leiden unter der täglichen Einsamkeit.
Vor diesem Hintergrund hat die Wohnungsgenossenschaft das Konzept der Senioren-WG als selbstverantwortete Wohngemeinschaft mit Betreuungsleistungen entwickelt und mit der Caritas umgesetzt. Seit mittlerweile 16 Jahren leben dort ältere Menschen miteinander, erhalten die erforderlichen Hilfen, die sie täglich brauchen und gestalten ansonsten ihren Alltag nach den eigenen Vorstellungen.
Täglich kommt für drei Stunden eine Hauswirtschaftskraft zum Kochen ins Haus und steht auch sonst mit Herz und Hand zur Seite. Die Seniorinnen und Senioren können sich je nach Fähigkeiten, Lust und Laune einbringen und entscheiden vieles gemeinschaftlich. Zum Beispiel wird zusammen mit der Hauswirtschaft über das Menü diskutiert und auch über den Einzug neuer Mitglieder entscheiden, nach einem Probewohnen der Interessenten, die Bewohnerinnen und Bewohner mit.
Diese gemeinschaftliche Wohnform für Ältere hat das Ziel Menschen, die von Einsamkeit bedroht sind, zu stärken und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.
Gemeinschaft will gestaltet werden
Seit vier Jahren wohnt Franz Müller in der Wohngemeinschaft, weil ihm zuhause „die Decke auf den Kopf gefallen ist“, wie er sagt. Er genießt den gemeinsamen Mittagstisch. „Fünf-Sterne-Essen gibt es hier“, schwärmt er.
Die Bewohnerinnen und Bewohner legen Wert auf Gemeinschaft und Hilfestellung im Alltag. Wer kann, hilft beim Müllraustragen, Spülmaschine einräumen oder bringt schon mal Einkäufe für andere mit. Manchmal ist es aber auch schon eine große Hilfe, wenn jemand einfach nur mal zuhört.
Seit Sommer dieses Jahres gibt es auch noch eine Kooperation mit einem angrenzenden Kindergarten im Rahmen eines Sinnesgarten für Jung und Alt. Dieses Projekt wurde von Studierenden der Evangelischen Hochschule Bochum entwickelt und bringt die Senioren und Kinder ganz niederschwellig zusammen. Die Kinder kommen regelmäßig zum Gießen der Hochbeete und über die Ernte freuen sich alle. „Das ist so schön, wenn die kleinen Mäuschen kommen“, sagt Bewohnerin Waltraud Schmidke. Und mit dieser Ansicht ist mit Sicherheit nicht allein.
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