VdW schult genossenschaftliches Ehrenamt
Wer im Ehrenamt Millionen-Investitionen mitverantwortet, sollte fachlich auf der Höhe der Zeit entscheiden können. Der VdW Rheinland Westfalen schult deshalb jedes Jahr im Treffpunkt Ehrenamt Aufsichtsräte von Wohnungsgenossenschaften. Am 21./22. November 2025 trafen sich deshalb 130 ehrenamtliche Aufsichtsratsmitglieder in Düsseldorf.
Die zweitägige Fortbildungsveranstaltung des VdW Rheinland Westfalen bot ein breit gefächertes Programm und setzte ein starkes Zeichen für die Bedeutung des Ehrenamts in der Wohnungswirtschaft.
Gleich zu Beginn skizzierte Verbandsdirektor Alexander Rychter die angespannte Lage der Branche. Steigende Baukosten, ein wachsender Nachfragedruck in den Städten und gleichzeitig der Anspruch, weiterhin bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen, prägten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Zwar fungierten Genossenschaften weiterhin als „natürliche Mietpreisbremse“, doch seien Preisanpassungen aufgrund der äußeren Zwänge nicht immer zu vermeiden. Welche Faktoren Mitglieder an ihren Genossenschaften schätzen – von stabilen Mieten über verlässlichen Service bis hin zu guter Nachbarschaft –, zeigte Kristina Klee anhand der aktuellen Studie „Wohnungsgenossenschaften 2025+“.
Von besonderem Interesse:
modulares Bauen mit Holz
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Aufsichtsräte angesichts wachsender Herausforderungen handlungsfähig bleiben. Dazu boten mehrere Workshop-Stränge Einblicke in Nachhaltiges Bauen, Wärmewende, Sozialmanagement, Kooperationen sowie rechtliche und wirtschaftliche Grundlagen.
Besonderes Interesse weckte das Thema modulares Bauen mit Holz. Bernhard Halbe, Vorstand der Siedlungs- und Baugenossenschaft Meschede eG, zeigte, wie sich mit dieser Bauweise ökologisch und kosteneffizient neuer Wohnraum schaffen lässt – und ermutigte dazu, das Potenzial aktiv zu nutzen. Wie eine kommunale Wärmewende gelingen kann, erläuterten Karsten Statz und Ronja Weber vom Spar- und Bauverein Dortmund: Offenheit, Transparenz und partnerschaftlicher Austausch seien entscheidend. Einblicke in die soziale Arbeit lieferte die Witten-Mitte eG, die darstellte, wie professionelles Sozialmanagement Mitglieder im demografischen Wandel langfristig begleitet.
Für neue Ehrenamtliche standen Grundlagen der Gremienarbeit auf dem Programm. Wirtschaftsprüferin Barbara Hegeler vermittelte Basiswissen zu Bilanzierung, Jahresabschlussanalyse und den Auswirkungen des Klimapfads. Die rechtlichen Besonderheiten der Genossenschaftsform erläuterte Syndikusrechtsanwältin Cindy Merz. Wie Kooperationen über die eigenen Organisationsgrenzen hinweg funktionieren können, zeigte Prof. Dr. Michael Pannen anhand praktischer Beispiele.
Ein Höhepunkt war der Blick auf ein erfolgreich entwickeltes Stadtquartier: Am Phoenixsee konnten die Teilnehmenden nachvollziehen, wie aus einem ehemaligen Stahlwerksareal ein lebendiger Wohn- und Gewerbestandort wurde. Der Aufsichtsratsvorsitzende der gws-Dortmund Süd eG, früherer Planungsdezernent der Stadt, führte aus erster Hand durch die Entstehungsgeschichte.
Neben den fachlichen Inputs bot die Veranstaltung zahlreiche Gelegenheiten zum kollegialen Austausch – ein Punkt, den viele Gäste besonders hervorhoben. Vernetzung, Lernen aus der Praxis und der offene Dialog über aktuelle Herausforderungen machten den Treffpunkt erneut zu einem lebendigen Forum für ehrenamtliche Entscheiderinnen und Entscheider.
Der „Treffpunkt Ehrenamt 2025“ machte deutlich: Die genossenschaftliche Wohnungswirtschaft lebt vom Engagement ihrer Ehrenamtlichen. Und dieses Engagement braucht Raum für Qualifizierung, Austausch und Weiterentwicklung. Mit neuen Impulsen und gestärktem Selbstverständnis kehren die Teilnehmenden in ihre Gremien zurück.
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