Tour durch vier Länder: Was im Holzbau möglich ist
Vier Tage, rund 1.500 Kilometer im Bus und einige Stationen in Deutschland und Österreich: Die Fachreise führte Wohnungswirtschaft, Planende und Holzbauinteressierte zu Projekten in Baden-Württemberg, Bayern, Tirol und Vorarlberg. Im Mittelpunkt standen innovative Ansätze für nachhaltigen Wohnungsbau, serielle Fertigung und die Frage, wie mit intelligenter Planung bezahlbarer Wohnraum entstehen kann.
Erste Station war das Wohnensemble CARL in Pforzheim. Herzstück des Quartiers ist ein 14-geschossiges Holzhybridhochhaus mit 37 Wohnungen. Besonders beeindruckte die Verbindung aus anspruchsvoller Architektur und einem konsequenten Low-Tech-Ansatz. Natürliche Belüftung, einfache technische Lösungen und klar durchdachte Konstruktionen zeigen, dass hohe Qualität nicht zwingend mit komplexer Gebäudetechnik einhergehen muss. Das Gebäude erfüllt den KfW-55-EE-Standard und kommt ohne Sprinkleranlage aus.
Ökologische Mustersiedlung
Am zweiten Exkursionstag stand die ökologische Mustersiedlung im Münchner Prinz-Eugen-Park auf dem Programm. Dort wurde deutlich, welchen Einfluss kommunale Rahmenbedingungen auf die Baukultur haben können. Die Stadt München setzte bei der Vergabe der Grundstücke gezielt auf Qualität und Holzbau. Entstanden sind 566 Wohnungen in unterschiedlichen Gebäudetypen, die sich zu einem vielfältigen Quartier zusammenfügen. Gleichzeitig werden durch die verbauten Holzmengen erhebliche Mengen Kohlendioxid langfristig gespeichert.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des B&O ForschungsQuartiers in Bad Aibling. Auf dem ehemaligen Militärgelände werden neue Bauweisen unter realen Bedingungen erprobt. Besonderes Interesse galt den Forschungshäusern von Florian Nagler und dem Konzept des „Einfach Bauens“. Ziel ist es, Ressourcenverbrauch und graue Emissionen zu reduzieren und Gebäude zu schaffen, die sich später einfacher umbauen oder weiterverwenden lassen. Entscheidend dabei: Innovation entsteht nur, wenn neue Ideen im Maßstab eins zu eins getestet werden.
Mit der Weiterfahrt nach Tirol rückte der Holzbau in einer Region in den Fokus, in der er seit Jahrhunderten zur Baukultur gehört. Bei der Neuen Heimat Tirol erfuhren die Teilnehmenden, wie sich Wohnungsbau auf steigende Temperaturen und zunehmend heiße Sommer einstellen kann. Der Passivhausstandard gehört dort seit Jahren zum festen Bestandteil der Planung und soll auch in Zukunft für hohen Wohnkomfort sorgen. Das besichtigte Quartier „Volders – Postgründe“ verbindet diesen Anspruch mit moderner Holz-Hybrid-Bauweise.
Überzeugend auch nach drei Jahrzehnten
In Vorarlberg gewährte das Büro Hermann Kaufmann Architekten Einblicke in seine Planungsphilosophie. Besonders eindrucksvoll war die Besichtigung der Wohnanlage Ölzbündt, die bereits 1997 fertiggestellt wurde. Auch nach fast drei Jahrzehnten überzeugen Materialqualität und Architektur. Die anschließende Besichtigung des Quartiers „Floras Garten“ in Lochau zeigte, wie zeitgemäßer Holzbau heute aussieht: gemeinschaftsorientiert, ressourcenschonend und gestalterisch anspruchsvoll.
Die Reise machte deutlich, dass moderner Holzbau weit mehr ist als die Wahl eines Baustoffs. Entscheidend sind integrale Planung, Kreislauffähigkeit, Vorfertigung und die Bereitschaft, einfache Lösungen konsequent umzusetzen. Ob Hochhaus, Forschungsgebäude oder Wohnquartier – die besuchten Projekte zeigten, wie vielfältig die Möglichkeiten sind.
Den Schlusspunkt setzte der Besuch der Pfahlbauten am Bodensee. Nach Tagen voller Innovationen erinnerte dieser Blick in die Vergangenheit daran, dass Holz seit Jahrtausenden ein Baustoff mit Zukunft ist. Mit vielen neuen Eindrücken kehrten die Teilnehmenden schließlich nach Nordrhein-Westfalen zurück – und mit der Erkenntnis, dass die besten Ideen oft aus verblüffend einfachen Konzepten entstehen.
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