Stadtentwicklung mit Weitblick
Abriss und Neubau: Wie aus einer Bausünde ein Touristenmagnet wurde
Wie ein Wohnungsunternehmen in Königswinter ein touristisches Wahrzeichen zu neuem Leben erweckt.
Von außen wirkt das Gebäude fast schwebend: Der helle Glaskubus auf dem Drachenfelsplateau fügt sich mit Leichtigkeit in das Panorama des Siebengebirges ein. Dort, wo früher ein klobiger Betonbau aus den 1970er-Jahren die Sicht auf das Rheintal verbaut hat, entstand in den letzten Jahren ein Ort, der architektonisch und funktional Maßstäbe setzt. Doch hinter dem ästhetischen Ensemble aus modernem Café, saniertem Altbau und großzügigem Außenraum steckt keine private Investorengruppe – sondern ein Wohnungsunternehmen: die Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Königswinter WWG.
Was nach ungewöhnlichem Engagement klingt, ist für die WWG längst kein Sonderfall. Seit ihrer Gründung im Jahr 1953 sorgt sie für die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum in der Region. In den 1990er-Jahren kamen auch Aufgaben der Wirtschaftsförderung hinzu. Seitdem setzt sich das Unternehmen gemeinsam mit der Kommune für eine nachhaltige Stadtentwicklung ein. „Natürlich liegt unser Schwerpunkt auf dem Wohnungsbau“, sagt Geschäftsführer Christopher Holderbaum. „Aber wir verstehen uns auch als Mitgestalter der Stadt. Denn wenn es Königswinter wirtschaftlich gut geht, profitieren auch wir.“ Wie breit das Engagement der WWG heute gefasst ist, zeigt sich an einem ihrer ungewöhnlichsten Projekte: der Neugestaltung des Drachenfelsplateaus.
Zwischen Denkmal und Neubau: Die Neugestaltung eines Wahrzeichens
Der Drachenfels ist monumentaler Bestandteil der Rheinromantik: Hier soll nach mittelalterlicher Sage Siegfried den Drachen getötet haben, um unsterblich zu werden. Unsterblich schien zumindest die Anziehungskraft der alten Burg, die durch die Sage ausgelöst worden ist. Bereits 1834 eröffnete auf dem Drachenfels das erste Gasthaus, mit der Zahnradbahn kam 1883 der Massentourismus. Der Betonbau aus den 1970ern, zuletzt leerstehend und verwahrlost, war vielen in der Stadt ein Dorn im Auge. „Das Gebäude war eine Bausünde“, sagt Michael Bungarz, der seit über zwei Jahrzehnten Prokurist der WWG ist und das Projekt am Drachenfels begleitet hat. „Ein echter Störfaktor für den Ort und den Tourismus.“ Der Anziehungskraft drohte also doch die Energie auszugehen.
Im Rahmen der Regionale 2010 – einem Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen – bot sich die Chance, das Drachenfelsplateau grundlegend neu zu denken. Die WWG übernahm das Gebäude vom Land und entwickelte in mehreren Workshops mit Bürgerbeteiligung ein Zukunftsbild für die markante Drachenfelsspitze. Darauf aufbauend lobte sie einen Planungswettbewerb aus. Der Entwurf der Büros Pape und Pape (Architektur) aus Kassel und plandrei (Landschaft) aus Erfurt überzeugte das Preisgericht durch seine klare Formsprache und sensible Einbettung in das Natur- und Kulturensemble. Im November 2010 begann der Abbruch des 70er-Jahre-Baus. Bereits zwei Jahre später – im November 2012 – konnte der Restaurantneubau feierlich eröffnet werden. Mit der Fertigstellung der Außenanlagen im Juni 2013 war das Projekt abgeschlossen: Ein neuer touristischer Anziehungspunkt war entstanden.
Was damals auf dem Reißbrett entstand, ist heute ein Ort mit starker Ausstrahlung. Der schlichte Glaskubus mit Gastronomie setzt einen architektonischen Akzent, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Das Bestandsgebäude aus den 1930er-Jahren wurde denkmalgerecht saniert und in das Ensemble eingebunden, der neu gestaltete Außenraum mit seinen Sitzstufen und barrierefreien Wegen bietet einen eindrucksvollen Blick ins Rheintal. Gleichzeitig wurde auf ökologische Ausgleichsmaßnahmen ebenso geachtet wie auf energieeffiziente Gebäudetechnik.
Rund 9,5 Millionen Euro flossen in das Projekt – 1,3 Millionen davon trug die WWG aus eigenen Mitteln, der Rest wurde über Städtebauförderung finanziert.
«Das Gebäude war eine Bausünde.»
– Michael Bungarz
Ein steiniger Weg zum Erfolg
Ein Projekt auf der Drachenfelsspitze zu realisieren, war eine Herausforderung – technisch wie organisatorisch. „Allein die Logistik war ein Kraftakt“, erinnert sich Michael Bungarz. „Die Zufahrtswege sind schmal, die Felssubstanz anspruchsvoll, dazu kamen strenge Vorgaben im Natur- und Artenschutz.“ Auch das Wetter spielte nicht immer mit: Die intensiven und kalten Wintermonate sorgten für witterungsbedingte Verzögerungen während der Bauzeit.
Trotz all dieser Herausforderungen blieb das Projekt wirtschaftlich solide mit einer angesichts der Komplexität nur vergleichsweise geringen Erhöhung der Kosten von 16 Prozent gegenüber der ursprünglichen Schätzung. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde die Neugestaltung des Drachenfelsplateaus 2015 von der Stiftung „Lebendige Stadt“ als „vorbildlichstes öffentliches Bauprojekt“ ausgezeichnet.
Finanzielle Tragfähigkeit im Blick behalten
Heute ist das Café auf dem Drachenfels mehr als eine touristische Anlaufstelle. Es ist ein Beispiel dafür, wie Wohnungsunternehmen wirtschaftliche Impulse setzen und einen wichtigen Beitrag zur Standortförderung leisten können – ohne dabei die finanzielle Tragfähigkeit aus dem Blick zu verlieren.
Die Besucherzahlen geben dem Ansatz recht. Vor dem Umbau kamen jährlich etwa 150.000 Menschen auf den Drachenfels – heute sind es konstant rund 450.000, in Spitzenzeiten sogar mehr. „Das Plateau hat sich zu einem echten Anziehungspunkt entwickelt“, so Holderbaum. „Viele Besucherinnen und Besucher äußern sich in den sozialen Medien begeistert von Aussicht und Ambiente.“
Was bleibt, ist ein Projekt, das über Königswinter hinaus Wirkung entfaltet hat. Der Drachenfels wurde nicht nur architektonisch aufgewertet, er ist auch ein Symbol dafür, was möglich ist, wenn Wohnungsunternehmen über den klassischen Wohnungsbau hinaus städtische Entwicklung mitgestalten.
Dieses Engagement zeigt die WWG Königswinter nicht nur auf der Drachenfelsspitze: Auch in anderen Bereichen übernimmt das Unternehmen Aufgaben, die für das städtische Leben wichtig sind, etwa beim Betrieb von Kindergärten oder Gewerbeimmobilien. „Wir tun das, weil es Sinn ergibt – und nicht aus einer Verpflichtung heraus“, sagt Holderbaum. „Denn wenn man wirtschaftliche Vernunft und gesellschaftlichen Nutzen zusammenbringt, entsteht echte Stadtentwicklung!“
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