Gemeinsam für mehr Sicherheit
Zum Aktionswochenende „Riegel vor!“ 2025 spricht Ludger Hellkuhl, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Wohnungsvereins Rheine eG, über die Bedeutung von Sicherheit im eigenen Zuhause, erfolgreiche Präventionsprojekte und seine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Polizei und Partnern der Initiative „Zuhause sicher“.
Ludger Hellkuhl
Seit 2015 ist er Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Wohnungsvereins Rheine eG. Hellkuhl setzt auf sichere, nachhaltige und moderne Wohnkonzepte und engagiert sich für präventive Maßnahmen zum Schutz der Mieterinnen und Mieter.
Herr Hellkuhl, der Wohnungsverein Rheine eG engagiert sich seit Jahren im Bereich Einbruchsprävention. Wie kam es ursprünglich zur Zusammenarbeit mit der Initiative „Zuhause sicher“ und welche Rolle spielt das Thema Sicherheit für Ihre Genossenschaft?
Hellkuhl: Auf die Initiative „Zuhause sicher“ sind wir seinerzeit über unseren Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen aufmerksam geworden.
Sicherheit im eigenen Zuhause hat für uns eine sehr hohe Bedeutung. Die Mehrzahl unserer Mitglieder ist über 50 Jahre alt – und gerade in dieser Altersgruppe wächst der Wunsch nach einem sicheren Wohnumfeld deutlich. Wir merken das auch bei der Vermietung: Wohnungen in den oberen Etagen sind meist schneller vergeben als Erdgeschosswohnungen. Das zeigt, wie stark das Sicherheitsgefühl die Wohnentscheidung beeinflusst.
Ihre Genossenschaft hat bereits 50 Plaketten erhalten und über 350 Wohnungen gesichert. Was steckt hinter diesen Maßnahmen?
Hellkuhl: Konkret statten wir alle Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoss sowie die Balkonfenster und -türen in den oberen Etagen mit Pilzkopfverriegelungen der Sicherheitsstufe RC II aus. Die Wohnungseingangstüren erhalten zusätzliche Sicherungen im oberen und unteren Bereich sowie verstärkte Türzargen. So schaffen wir einen hohen mechanischen Grundschutz, der Einbrüche deutlich erschwert.
Wie gestaltet sich dabei die Zusammenarbeit mit der Polizei im Kreis Steinfurt?
Hellkuhl: Die Zusammenarbeit mit der Polizei läuft gut. Zu Beginn haben wir jedes Projekt eng mit der Polizei abgestimmt, um die Anforderungen für das „Zuhause sicher“-Siegel zu erfüllen. Nach mittlerweile 50 Einzelmaßnahmen wissen unsere Teams genau Bescheid, worauf sie achten müssen und welche Maßnahmen vor Ort durchgeführt werden müssen. Inzwischen läuft es so ab, dass wir der Polizei vor Neubezug mitteilen, dass erneut ein Objekt mit den erforderlichen Sicherungsmaßnahmen bei Neubauten oder Modernisierung ausgestattet wurde. Die Polizei besichtigt diese zeitnah und überreicht dann die Urkunden und Plaketten, die wir direkt an den Gebäuden anbringen.
Ihr Projekt „Wohnen am Kirmesplatz“ gilt als Vorzeigeprojekt. Was macht dieses Projekt besonders?
Hellkuhl: In relativ kurzer Zeit ist im Stadtteil Dorenkamp ein neues Quartier mit 160 Wohneinheiten für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen entstanden. Die Wohnungen sind zwischen 43 und 101 Quadratmetern groß, etwa ein Drittel davon freifinanziert, der Rest öffentlich gefördert.
Besonders ist dabei, dass wir mit diesem Projekt mit unserer Dekabonisierungsstrategie ein großes Stück vorangekommen sind. Der Energieverbrauch der neuen Häuser konnte gegenüber der Altbebauung um ca. 80 Prozent gesenkt werden.
Wie reagieren Ihre Mieterinnen und Mieter auf die präventiven Maßnahmen?
Hellkuhl: Viele sind überrascht, dass ihre Wohnungen diesen hohen Standard überhaupt haben – das ist im privaten Wohnungsmarkt eher selten. Richtig bewusst wird es ihnen oft erst, wenn sie die Urkunden bei ihrer Hausratversicherung einreichen und dort eventuell bessere Konditionen erhalten.
Kurz vor dem diesjährigen Aktionswochenende haben Sie am 20. Oktober 2025 neue Plaketten erhalten – was ist konkret für die nächste Phase geplant?
Hellkuhl: Für die nächste Phase in 2026 planen wir die Häuser in Neuenkirchen, Albrecht-Dürer-Straße 14–20A, mit acht Wohnungen sowie in Rheine, Sandköttershof 13–17, mit weiteren 24 Wohnungen. 2027 folgen dann nochmals 34 Wohnungen in der Parkstraße, am Windthorstplatz und „Unterm Waldhügel“.
Welche Tipps würden Sie anderen Wohnungsunternehmen oder -genossenschaften geben, die sich ebenfalls engagieren möchten?
Hellkuhl: Wichtig ist, frühzeitig mit der Kreispolizeibehörde Kontakt aufzunehmen und die Maßnahmen gemeinsam zu besprechen. Ebenso sollten diese Maßnahmen unmittelbar in den entsprechenden Ausschreibungsunterlagen der betroffenen Gewerke enthalten sein.
Was wünschen Sie sich von der Politik, Polizei oder auch der Bevölkerung, um das Thema Sicherheit im Alltag weiter voranzubringen?
Hellkuhl: Mehr Aufklärung! Eine Aktionswoche im Oktober ist wichtig, aber nicht ausreichend. Sicherheit sollte ganzjährig präsent sein – durch mediale Aufklärung, Informationsveranstaltungen und niedrigschwellige Angebote für Mieterinnen und Mieter.
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