Wie gelingen innovative Quartiere?
Wie können Städte und Quartiere fit für die Zukunft gemacht werden? Antworten auf diese Frage diskutierten am 5. Februar 2026 mehr als 350 Fachleute aus Politik, Kommunen, Wissenschaft und Immobilienwirtschaft beim 4. Fachkongress für innovative Quartiersentwicklung im EBZ in Bochum. Eingeladen hatte das Deutsche Institut für Urbane Transformation (DIUT) der EBZ Business School (FH). Wohnungsunternehmen und -genossenschaften der sozial orientierten Wohnungswirtschaft gehören seit jeher zu den Stammgästen des Quartierkongresses.
Vor dem Hintergrund tiefgreifender ökologischer, sozialer und ökonomischer Veränderungen widmete sich der Kongress einer rundum adäquaten Stadt- und Quartiersentwicklung. Betrachtet wurden dabei die Rollen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft und Kommunen hier, die der projektfreudigen Wissenschaft dort als Treiber urbaner Transformation. Prof. Dr. Daniel Kaltofen, Rektor der EBZ Business School, betonte die Bedeutung des fachlichen Austauschs: „Transformation heißt, Komplexität zu managen. Dafür braucht es Vernetzung, gegenseitiges Lernen und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Der IQ-Kongress bietet dafür den erforderlichen Rahmen.“
"Quartiersentwicklungskommando"
Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, erinnerte daran, dass es bei Quartiersentwicklung gegenwärtig nicht nur um Klimaschutz, um alten-, behinderten- und familiengerechtes Wohnen oder Mobilität gehen dürfe. Vielmehr müsste der Fokus erweitert werden. So gebe es das Problem der Schrumpfung: Seit der Gebietsreform 1974 hätten viele Städte in NRW bis zu 40 Prozent ihrer Bevölkerung verloren – ohne dass die Infrastrukturen in diesen Städten kostensparend „mitgeschrumpft“ seien. Auch Fragen wie Kriminalitätsprävention müssten diskutiert werden, da sich in der Bevölkerung ein Gefühl der Unsicherheit ausbreite, das ernst genommen werden müsse. Ihr Appell ins Plenum galt daher einem „Quartiersentwicklungskommando“, das zu bilden sei und sich den großen Aufgaben zu stellen habe.
Eine erhellende Key Note gab Ola Gustafsson vom schwedischen Unternehmen Think Softer. Am Beispiel gewachsener Quartiere in Venedig und aus 70er-Jahre-Bauten umgestalteten in Malmö zeigte er, wie Orte geschaffen werden können, die gänzlich frei von sozialen Angsträumen sind, zu Begegnung einladen, die angenommen und alltagstauglich werden. Außenräume werden dabei wie selbstverständlich als erweiterte Wohnfläche kreiert. Seine Beispiele demonstrierten das Leitbild von Soft Cities: Hier stehen nicht dichte Bebauung und Effizienz im Vordergrund, sondern soziale Beziehungen, eine vielfältige Nutzungsstruktur und eine hohe Aufenthaltsqualität. Gerade im Ruhrgebiet als Region im strukturellen Wandel stellt dies eine wesentliche Zukunftsaufgabe dar.
Klima, soziale Resilienz und neue Mobilität
Die insgesamt sechs Sessions des Fachkongresses widmeten sich unterschiedlichen Schwerpunktthemen. Ein zentraler Themenblock war die klimaresiliente Stadt, insbesondere durch blau-grüne Infrastrukturen, nachhaltige Freiraumgestaltung und praxisnahe Strategien zur Anpassung an Extremwetterereignisse. Ergänzt wurde dies durch Diskussionen zur sozialen Resilienz, mit Fokus auf Teilhabe, Engagement, Kultur und neue Formen des Miteinanders in Quartieren. Weitere Schwerpunkte lagen auf der Gestaltung von Zukunftsquartieren, innovativen Wohn- und Nachbarschaftsmodellen sowie der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Abgerundet wurde das Programm durch Beiträge zu nachhaltigen Mobilitätskonzepten, zur Neuverteilung und Nutzung des öffentlichen Raums sowie zu Resilienzstrategien für kritische Infrastrukturen, einschließlich Energieversorgung und digitaler Sicherheit.
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