thema der Wohnungswirtschaft
N°1 – Der perfekte Sturm

Luftaufname eines Mehrfamiliengebäudes mit grauem Anstrich. Obendrüber ist ein zusätzliches Stockwerk mit grünem Anstrich zu erkennen. Vor dem Gebäude befindet sich eine kleine Wiese und eine Straße.
Quelle: D. Young
Beispielhaft

Noch einen Stock drauflegen

Der Baustoff Holz eignet sich hervorragend dafür, durch Dachaufstockungen im Bestand neue Wohnungen zu schaffen. Die Städtische Wohnungsgesellschaft Düsseldorf (SWD) hat in der Siedlung Grünau zwei Konzepte dafür ausprobiert.

Die Dachaufstockungen in der Siedlung Grünau wurden als Teil eines städtebaulichen Aufwertungskonzepts entwickelt, das aus einem Architektenwettbewerb von 2016 hervorging. Ziel war es, zusätzliche Wohnfläche zu schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln, und gleichzeitig die Wohnsiedlung optisch und funktional aufzuwerten. Nach einer umfassenden Prüfung wurden neun Gebäude als geeignet für Aufstockungen identifiziert. Da in der Vergangenheit bei der SWD keine Aufstockungsprojekte realisiert wurden, wurde zunächst ein Pilotprojekt umgesetzt, um Erfahrungen mit der Bauweise, der Wirtschaftlichkeit und der Akzeptanz durch die Mieterinnen und Mieter zu sammeln.

Beim ersten Pilotprojekt an der Knechtstedenstraße 13/15 kam ein Holzbau-System aus Holzwandelementen zum Einsatz, die von Hand vor Ort zusammengefügt werden. Der Vorteil dieser Bauweise liegt darin, dass auf große stationäre Kräne verzichtet werden kann, da die Montage mit mobilen Kränen und Hochlogistik erfolgt. Dies ermöglichte eine flexible und ressourcenschonende Bauweise. Allerdings stellte sich laut SWD heraus, dass der geringe Vorfertigungsgrad zu längeren Bauzeiten und damit zu Gerüststandzeiten führte, die mit konventionellen Bauweisen vergleichbar sind. Zudem zeigte die Konstruktion nach einem Jahr eine gewisse Rissempfindlichkeit, was in zukünftigen Projekten berücksichtigt werden muss.

Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse entschied man sich bei der zweiten Aufstockung an der Knechtstedenstraße 14-18 für eine Elementbauweise. Hier wurden vorgefertigte komplette Wandelemente mit integrierten Fenstern, Kabelwegen und Beplankungen eingesetzt. Diese Bauweise verkürzte die Bauzeit erheblich, führte jedoch zu logistischen Herausforderungen auf der Baustelle. Während der Lieferung und Montage musste die Zufahrtstraße für drei Monate gesperrt werden. Ob die Elementbauweise ebenfalls zu Rissbildungen neigt, kann laut SWD zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden, da die Fertigstellung erst vor kurzem erfolgte.

Beide Bauweisen brächten bedeutende Vorteile mit sich, so die SWD, insbesondere im Hinblick auf eine Reduktion von Baulärm und Staubemissionen. Da die Maßnahmen im bewohnten Zustand erfolgten, sei dies ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz der Mieterinnen und Mieter gewesen. Die Möglichkeit, barrierearmen Wohnraum nach DIN 18040 zu schaffen, sei ein weiteres zentrales Kriterium gewesen.

Durch die Novellierung der Landesbauordnung NRW konnte auf den Einbau von Aufzügen verzichtet werden, was zusätzliche Kosten sparte. Auch die Anpassung der Holzbau-Musterrichtlinie führte zu Einsparungen im zweiten Genehmigungsverfahren.

Die Bewohner hätten insgesamt positiv auf die Modernisierung ihres Wohnumfelds reagiert. Trotz anfänglicher Skepsis sei durch eine transparente Kommunikation und den direkten Austausch mit den Mieterinnen und Mietern eine hohe Akzeptanz erreicht worden, erklärt die SWD. Besonders das sichtbare Ergebnis des ersten Projekts habe dazu beigetragen, dass sich die Haltung gegenüber weiteren Aufstockungen verändert habe.

So hat die Maßnahme nicht nur zusätzlichen Wohnraum geschaffen, sondern auch das Erscheinungsbild der Siedlung nachhaltig verbessert. Die Erfahrungen aus diesen Projekten bilden nun für die SWD die Grundlage für zukünftige Aufstockungsmaßnahmen, die weiterhin auf eine Kombination aus wirtschaftlicher Effizienz, ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Verträglichkeit setzen.

Baulärm und Staub­emission wurden bei beiden Bauweisen reduziert

Bild von 5 Holzblock-Bausteine
Quelle: Bernd Schaller

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