thema der Wohnungswirtschaft
N°1 – Der perfekte Sturm

Rückschlag statt Aufschwung

Statistische Daten hatten Anlass zur Hoffnung gegeben, dass die Wohnungsbaukrise ihren Tiefpunkt überschritten haben würde: Zwischen Sommer 2025 und Frühjahr 2026 stagnierten die Bauzinsen und die Preise für wesentliche Baumaterialien, die Baugenehmigungszahlen stiegen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Für alle, die bezahlbares Wohnen ermöglichen wollen, waren das Lichtblicke. Denn mehr Wohnungen könnten den Anstieg der Mieten in den Großstädten dämpfen. Doch die Hoffnung währte nicht lange. Mit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 zeichnet sich eine neue Teuerungswelle ab, die die Mitglieder des VdW Rheinland Westfalen im Sommer 2026 bereits spürten. Immerhin nahm nun auch die Politik den Kampf gegen die Baukosten auf und ging entsprechende Reformen an.

10,7 Prozent mehr Baugenehmigungen für Wohngebäude im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr vermeldete das Statistische Landesamt IT.NRW am 25. Februar 2026 für Nordrhein-Westfalen. In einer Pressemitteilung kommentierte Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen: „Die Talsohle bei den Baugenehmigungen in Bund und Land scheint endlich durchschritten.“ Drei Tage später griffen die USA den Iran an, die für die Ölversorgung so wichtige Wasserstraße von Hormus wurde blockiert, in der Folge stieg der Preis für Rohöl, das auch Grundstoff vieler Bauprodukte ist.

Die Auswirkungen stellte die sozial orientierte Wohnungswirtschaft bereits kurze Zeit später fest, wie eine Umfrage des VdW Rheinland Westfalen unter seinen Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften Mitte Juni 2026 ergab. Demnach berichteten 37,5 Prozent der befragten Personen mit Führungsverantwortung von höheren Baukosten seit Beginn des Irankriegs, etwas mehr als 60 Prozent erwarten dies kurz- oder mittelfristig. 26,9 Prozent machten bereits die Erfahrung höherer Kreditzinsen. Beides verteuert das Bauen von Wohnungen, was sich direkt in der Miete niederschlägt.

Es kann auch dazu führen, dass Neubauprojekte verschoben oder gestoppt werden, weil sich die Menschen die Miete dieser neuen Wohnungen kaum noch leisten könnten. Gerade die Mitglieder des VdW Rheinland Westfalen haben sich der Aufgabe verschrieben, Wohnungen für die Breite der Bevölkerung anzubieten, was mit kalkulatorisch notwendigen Mieten von 18 Euro und mehr kaum vereinbar scheint. Aus diesem Grund waren in den vergangenen Jahren die Investitionen der VdW-Mitglieder in den Neubau zurückgegangen, ein Trend, der im Jahr 2025 gestoppt wurde. Allerdings ja noch vor dem Irankrieg.

Wohnungen wurden im Jahr 2025 in Nordrhein-Westfalen fertiggstellt, so wenige wie seit 2011 nicht mehr.
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Politik macht den Unterschied

Mitte 2026, zum Zeitpunkt des Erscheinens dies Jahresberichts, war noch nicht absehbar, welchen Effekt der Krieg mittel- und langfristig haben würde. Vorhersehbar aber war, dass eine geringere Anzahl an Baugenehmigungen zu weniger Baufertigstellungen in den Folgejahren würde. Dieser Effekt war auch für das Jahr 2025 zu beobachten, in dem laut IT.NRW 9,4 Prozent weniger Wohnungen fertiggestellt worden waren als 2024, weniger Wohnungen waren es zuletzt 2011. Die Wohnungsbaukrise war also auch in NRW weiterhin real.

Allerdings fiel der Einbruch in Nordrhein-Westfalen nicht so stark aus wie im Bundesdurchschnitt. „Dieser Unterschied zeigt, dass Politik etwas bewirken kann. In NRW ist die gut ausgestattete Wohnraumförderung für den Wohnungsbau das Sicherungsnetz“, kommentierte Alexander Rychter. Tatsächlich ließen sich ohne Wohnraumförderung kaum noch Bauprojekte realisieren, was zu enormen Abrufzahlen dieser Landesförderung sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Rheinland-Pfalz führte. Ein Trend, der sich 2025 fortsetzte.

Dass Politik einen Unterschied macht, war bereits seit Herbst 2025 zu spüren gewesen, als die neue Bundesregierung mit dem so genannten „Bau-Turbo“ eine erste Reform vorlegte, die Bau- und Genehmigungsprozesse beschleunigen sollte. Und auch in den Bundesländern tat sich etwas. Mit einer Reform ihrer Landesbauordnungen schufen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz einige Voraussetzungen dafür, dass Bauen günstiger werden kann und von teuren Standards abgewichen werden kann. Was laut Alexander Rychter fehlte: die wichtige privatrechtliche Regelung auf Bundesebene, wonach solche Abweichungen keinen Mangel mehr darstellen. „Ohne den Bund bleibt der Gebäudetyp E ein reines Gedankengebäude. Der Bund muss liefern“, sagte er.

ein Fassadenteil hängt an einem Kran, zwei Arbeiter auf einem Leiterwagen erwarten es
VdW Rheinland Westfalen
der befragten Verantwortlichen in der Wohnungswirtschaft setzten Mitte 2026 beim Neubau von Wohnungen bereits auf serielle Verfahren.
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GdW-Rahmenvereinbarung „Serielles und modulares Bauen 2.0“

Die GdW-Rahmenvereinbarung ermöglicht kostengünstigen und schnellen Wohnungsbau durch serielle und modulare Verfahren. 20 qualifizierte Anbieter stellen flexible Konzepte für mehrgeschossigen Wohnungsbau bereit, die an unterschiedliche Standorte anpassbar sind. Vorteile dieser Bauweise sind beschleunigte Prozesse, optimierte Kosten und hohe Standards in Technik, Ökologie und Städtebau. Der Fokus liegt auf bezahlbaren Wohnungen für Haushalte mit niedrigem bis mittlerem Einkommen.

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Seriell in Neubau und Modernisierung

Die Branche ist sich jedoch bewusst, dass auch sie „liefern“ muss, wenn die Baukosten sinken sollen. In der schon zitierten VdW-Umfrage im Juni 2026 antworteten 26,8 Prozent der Befragten, dass sie bereits seriell gebaut haben oder bauen. Dabei werden vorgefertigte Bauteile auf der Baustelle zusammengesetzt, gerade bei Aufstockungen sind diese Wandteile aus Teile aus Holz gefertigt. 

Der Bundesverband GdW hatte bereits 2023 eine Rahmenvereinbarung zum seriellen Bauen mit entsprechenden Anbietern geschlossen. Mitte 2026 kam eine weitere Rahmenvereinbarung zum seriellen Sanieren hinzu. „Als Wirtschaftsverband haben wir die Aufgabe, Lösungen aufzuzeigen“, sagte Alexander Rychter auf dem 25. VdW-Forum Wohnungswirtschaft 2026 in Düsseldorf. Zwischen Sommer 2025 und Sommer 2026, dem Berichtszeitraum dieses Jahresberichts wurde die Aufgabe allerdings nicht leichter.

Quelle: Baege/VdW Rheinland Westfalen

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