Die Entdeckung der Einfachheit
Draußen herrschte sommerliche Hitze, im Tagungshotel eine sachliche Atmosphäre: Auf dem VdW-Forum 2025 wurde über die Entdeckung der Einfachheit diskutiert. Wie kann Bauen wieder einfacher werden? In Keynotes, Diskussionsrunden, in Workshops und Gesprächen untereinander zogen die teilnehmenden Fachleute aus den Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften des VdW Rheinland Westfalen Erkenntnisse für ihre praktische Arbeit.
„Einfaches Bauen fängt im Kopf an und erfordert eine neue Planungskultur. Wenn wir jetzt nicht umdenken, werden wir schlicht nicht mehr bauen können.“
– Prof. Dietmar Walberg
Die insgesamt mehr als 400 Teilnehmenden des VdW-Forums waren sich weitgehend einig: Die Talsohle des Wohnungsbaus ist noch nicht erreicht. Projekte, die jetzt fertiggestellt werden, gehen zum größten Teil noch auf eine Zeit vor der großen Baukostensteigerung zurück. Neue Projekte werden kaum angegangen. Die gemeinsame Überzeugung: Um das zu ändern, muss Bauen einfacher werden. Auf dem VdW-Forum wurde diskutiert, wie das gelingen kann. In den Workshops, unter anderem zu den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz in der Wohnungswirtschaft oder zur Klimastrategie von Wohnungsunternehmen, spielten sie Ansätze dazu durch. In der Innovationsarena hörten sie Sieben-Minuten-Auftritte von Start-Ups und innovativen Dienstleistern.
Neue Planungskultur
Prof. Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen machte den Zuhörerinnen und Zuhörern im Plenum klar, dass die Baukosten vor allem aufgrund der Baustandards gestiegen seien. Die Standards, etwa im Schallschutz, müssten gesenkt werden, um wieder zu bezahlbaren Preisen und damit Mieten zu kommen. „Einfaches Bauen fängt im Kopf an und erfordert eine neue Planungskultur. Wenn wir jetzt nicht umdenken, werden wir schlicht nicht mehr bauen können“, sagte Walberg.
Die Klimaziele seien bezahlbar nur dann zu erreichen, wenn sich auf die Vermeidung von Kohlendioxid konzentriert werde, indem etwa auf eine klimaneutrale Energieversorgung umgestellt werde. Bisher habe man sich zu sehr auf die teure Steigerung der Gebäudeeffizienz fokussiert. Und geringere Baukosten seien unbedingt notwendig, um eine weitere Herausforderung auf dem Wohnungsmarkt zu lösen: die älter werdende Gesellschaft und die damit verbundenen Bedürfnisse der Menschen.
Standards zu senken ist das eine, auf Innovation zu setzen, das andere. In einer Diskussionsrunde zum Thema Gebäudetyp E und Serielles Sanieren wurden Projekte mit diesen Techniken vorgestellt, etwa das Quartier der bwb Beamten-Wohnungs-Baugenossenschaft in Düsseldord-Stockum, wo die Sanierung durch vorgefertigte Elemente schneller ablaufen konnte.
Während sich im Neubau schon heute größere Kostenvorteile ergeben, setzt Uwe Bigalke, von der Deutschen Energieagentur (dena), darauf, dass sich auch bei der Seriellen Sanierung noch höhere Skalierungseffekte ergeben. Vorteilhaft bei dieser Technik ist laut Guido Sinn, Vorstand der bwb, aber schon heute die kurze Montage vor Ort und die geringere Belästigung der Bewohnerinnen und Bewohner.
Im Neubau setzt Frank Nolte, Vorstandsvorsitzender Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte, auf den Gebäudetyp E. Er verzichtet auf die Einhaltung mancher DIN-Standards, etwa im elektrischen Bereich. „Wir müssen die Wohnungen nicht so absichern, dass darin 15 Waschmaschinen gleichzeitig betrieben werden können“, sagter in der Podiumsdiskussion auf eine Frage von Moderator Michael Fabricius.
„Niemand glaubt doch, dass dieses Monster in 20 Jahren noch so funktioniert, wie es soll.“
– Prof. Thomas Auer
Das Prinzip des Weglassens
Auch Prof. Thomas Auer von der Technischen Universität München hielt auf Grundlage seiner eigenen Forschung ein Plädoyer dafür, klimaneutrales Wohnen mit weniger Technik zu ermöglichen. Ungläubiges Gelächter erntete er, als er den Heizungskeller einer Schule zeigte, der bis unter die hohe Decke mit isolierten Rohren und Maschinen ausgestattet war. „Niemand glaubt doch, dass dieses Monster in 20 Jahren noch so funktioniere, wie es soll“, sagte er. Schon heute sorge die Wartung und Instandhaltung der Gebäudetechnik für hohe Kosten. Und vor allem: Selbst technisch gut eingestellte Gebäude emittierten im Betrieb oft mehr CO2 als geplant. Denn die Nutzerinnen und Nutzer verhielten sich oft nicht wie geplant. Im Forschungsvorhaben „Einfacher Bauen“ hat Auer deshalb gemeinsam mit Prof. Florian Nagler versucht, möglichst viele unnötige Dinge wegzulassen, bis hin zur Klingel an der Wohnungstüre, weil es bereits eine Klingel an der Haustür gibt.
Dr. Daniel Sieveke, Staatssekretär im NRW-Bauministerium verwies auf die Anstrengungen der Landesregierung, beispielsweise durch eine Reform der Landesbauordnung, das Bauen schneller und einfacher zu gestalten. Jetzt sei insbesondere der Bund am Zug, etwa durch die Novelle des Baugesetzbuchs. „Ich hoffe, die Bundesregierung löst die Handbremse beim Baugesetzbuch ganz und nicht nur halb“, sagte er.
Was aber sollte man bauen, wenn es denn wieder kostengünstiger geht? Auf keinen Fall 20-stöckige Wohnhochhäuser, sagt David Sim, Architekt aus Schweden, der das Buch „Sanfte Stadt“ herausgebracht hat. Die Forschung zeige, dass Kinder, die über dem vierten Stock wohnten, weniger Freundschaften hätten. Denn sie gingen einfach nicht so häufig nach draußen. Er zeigte, wie eine hohe Wohnungsdichte auch mit weniger Stockwerken entstehen kann, und zwar so, dass kleine Innenhöfe entstehen, die überschaubar sind und das Gefühl von Schutz vermitteln. Städte müssten vom Menschen her gedacht werden, um sanft zu sein.
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