Blick in den Maschinenraum des RLP-Bündnisses „Bezahlbares Wohnen“
Das Bündnis Bezahlbares Wohnen und Bauen Rheinland-Pfalz arbeitet gerade an einer Vereinbarung, wie das Bauen günstiger werden soll, Qualität aber zugleich erhalten bleibt. Beim Wohnungspolitischen Gespräch der sozial orientierten Wohnungswirtschaft mit der rheinland-pfälzischen Finanzministerin Doris Ahnen in Mainz konnten die Gäste am 23. September 2025 live verfolgen, wie die Diskussionen im Bündnis geführt werden. Der Abend zeigte: Über das Ziel, günstigeres Bauen zu ermöglichen, sind sich alle einig, der Teufel steckt dann aber noch im Detail.
"Rheinland-Pfalz ist nicht Hamburg.“
– Adalbert Fettweiß
Das Leitmotiv des Abends setzte Adalbert Fettweiß, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen, gleich zu Beginn: „Wir werfen heute Abend einen Blick in den Maschinenraum des Bündnisses“, sagte er in seiner Begrüßungsrede im Zentrum Baukultur. In den Maschinenraum, in dem derzeit das Programm „Besser bauen. Für alle.“ erarbeitet wird.
Landesbauordnung
ist Startpunkt
Dessen fünf Handlungsfelder beschrieb Finanzministerin Doris Ahnen: Baurecht, Bautechnik, Bauprozesse, Bauinnovation und Baukultur. In jedem dieser Felder sollen Maßnahmen vereinbart werden, die Bauen kostengünstiger machen und zugleich Qualität sichern. Finanzministerin Doris Ahnen sagte: „Den Anfang haben wir mit der Reform der Landesbauordnung schon gemacht.“ Wobei das Papier, das noch dieses Jahr unterzeichnet werden soll, aus Sicht der sozial orientierten Wohnungswirtschaft zugleich zeigt: „Nach der Landesbauordnung ist vor der Landesbauordnung.“ Sprich: Die im September 2025 vom Landtag beschlossene Bauordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung, es sollten aber noch weitere folgen.
Ausgangspunkt des aktuellen Diskussionsprozesses im Bündnis ist der sogenannte „Hamburg-Standard“. Das hanseatische Bundesland hatte in einem aufwendigen Prozess Maßnahmen zur Kostenreduktion im Bauen ermittelt. Diese Maßnahmen werden nun für Rheinland-Pfalz quasi übersetzt, denn „Hamburg ist nicht Rheinland-Pfalz“, wie Adalbert Fettweiß feststellte. Weder was die Siedlungsstruktur noch was den vorherrschenden Gebäudetyp angeht.
VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter unterstützte die Art und Weise, wie die Maßnahmen erarbeitet werden. „Das ist sachgerecht. Wichtig ist, dass alle dasselbe Ziel haben, nämlich: die Baukosten zu senken.“ Im Ziel sind sich also alle einig, doch Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest, gab zu bedenken, dass die Vereinbarung zurecht lediglich die wesentlichen Aufgabenfelder beschreibe, bei den konkreten Maßnahmen aber noch Arbeit vor dem Bündnis liege.
Ähnliche Artikel
- Rheinland-Pfalz
Vorsitz in der rheinland-pfälzischen Wohnungswirtschaft wechselt
Thomas Bauer ist der neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen. Der Geschäftsführer der Bau AG Kaiserslautern folgt auf Adalbert Fettweiß, der das Amt zwei Jahre lang bekleidet hat. Die Arbeitsgemeinschaft bildet die Interessenvetretung der sozial orientierten Wohnungsunternehmen und -genossenschaften in Rheinland-Pfalz und setzt sich aus den rheinland-pfälzischen Mitgliedern von VdW Rheinland Westfalen und VdW südwest zusammen. Turnusmäßig wechselt zwischen den Verbänden das Vorschlagsrecht für den Vorsitz. Die Mitglieder folgtem auf der Vollversammlung in Mainz nun dem Vorschlag des VdW südwest und wählten einstimmig Thomas Bauer zum neuen Vorsitzenden. Mit ihm ins Präsidium wurden außerdem Sybille Jeschonek von der Wohnungsbau und Treuhand AG (gbt) Trier und Oliver Pastor von der Baugenossenschaft Speyer gewählt. Der Arbeitsausschuss komplettiert die Gremien der Arbeitsgemeinschaft.
- Alt werden in gewohnter Umgebung
Ministerin zu Gast in Wohnpflegegemeinschaft
In einem Dorf mit 2.500 Einwohnern hat die Trierer gbt Wohnungsbau und Treuhand AG ein Quartiershaus mit zwei Wohnpflegegemeinschaften errichtet. Bei einem Besuch der rheinland-pfälzischen Sozialministerin Dörte Schall ging es darum, wie noch mehr solcher Projekte im Land entstehen können. Zuhause alt werden, seine letzten Tage im gewohnten Umfeld verbringen. Eine schöne Vorstellung. Doch mit dem Alter kommen oft Gebrechlichkeiten, die ein Leben in den eigenen vier Wänden nur noch sehr eingeschränkt möglich machen. Nicht selten müssen Menschen deshalb in stationäre Pflegeheime umziehen, obwohl sie mit ambulanter Unterstützung noch länger in ihrem gewohnten Umfeld hätten wohnen bleiben können. Wohnpflegegemeinschaften vor Ort, mit Unterstützung immer dann, wann man sie auch benötigt, sind ein Modell, wie Menschen noch länger in ihrem Wohnquartier oder ihrem Dorf bleiben können. In derselben Nachbarschaft, mit denselben Freundinnen und Freunden, die einen ohne große Anreise in der neuen Wohnung besuchen. Die VdW-Mitglieder setzen solche Wohnpflegegemeinschaften deshalb immer öfter um, wie beispielswese im rheinland-pfälzischen Hetzerath nahe Trier. Dort hat die gbt Trier mit der Pflegegesellschaft St. Martin das Quartiershaus Daniel ins Leben gerufen. Der Verein "Helfende Hände Hetzerath", der sich aus der Dorfgemeinschaft des 2.500 Einwohner großen Ortes gegründet hat, organisiert den Mittagstisch, an dem jeder aus dem Dorf teilhaben kann.
- Landespolitik RLP
Fachreise "Bezahlbares Wohnen": Ein Tag zum Mutmachen
Wenn alle einem Strang ziehen, kann es schnell gehen – auch beim Bauen. Das ist eine wesentliche Erkenntnis der Fachreise "Bezahlbares Wohnen" mit Finanzministerin Doris Ahnen, die am 10. Juli 2025 an drei verschiedene Orte in Rheinland-Pfalz führte, immer aber an Orte des Bezahlbaren Wohnens. Organisiert hatten die Reise der VdW Rheinland Westfalen, der VdW südwest, die Architektenkammer Rheinland-Pfalz und das rheinland-pfälzische Finanzministerium. Es war bereits die siebte Auflage einer solchen Fachreise. "Als Chef eines Wohnungsunternehmens hat mir diese Reise heute Mut gemacht", fasste Adalbert Fettweiß, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen am Abend den Verlauf der Fachreise zusammen. "Baugenehmigungen kann es innerhalb weniger Monate geben, Probleme werden im Gespräch mit allen Beteiligten gelöst", sagte er mit Blick auf die Projekte in Trier, Ingelheim und Mainz, welche die Reisegruppe um Finanzministerin Doris Ahnen an diesem Tag besucht hatten.
- Landespolitik RLP
Bauforum Rheinland-Pfalz: "Baut doch einfach!"
Kann Rheinland-Pfalz von anderen Bundesländern lernen, wie Bauen einfacher werden kann? Das 24. Bauforum Rheinland-Pfalz blickte über den eigenen Tellerrand nach Hamburg, nach Bayern und in die Niederlande. Und der Staatssekretär des Finanzministeriums versprach: Im Herbst kommt ein Maßnahmenkatalog, der Bauen in Rheinland-Pfalz erleichtern soll. Die Baukosten steigen und steigen und machen so nicht nur das Bauen, sondern infolge auch das Mieten immer teurer. So teuer, dass sich das immer weniger Menschen leisten können, weshalb sich die Baugenehmigungszahlen im vergangenen Jahr eingebrochen sind. Um das wieder zu ändern, wird auch in den Bundesländern diskutiert, welche Normen angepasst werden können, um das Bauen wieder günstiger zu machen. Das klare Credo: Bauen muss wieder einfacher werden. Oder, um es im Titel mit dem 23. Bauforum zu sagen: "Baut doch einfach!" Das Grundproblem, weshalb sich Standards zu Kostentreibern entwickelt hätten, liege in der deutschen Vollkaskomentaliät, so Prof. Werner Sobek, der als Keynotespeaker das Bauforum eröffnete. Einfaches Bauen erfordere deshalb einen Mentalitätswechsel. Das gelte unter anderem für die Gebäudeenergiepolitik. Die Gesetzgebung adressiere zum einen den theoretisch errechneten Energiebedarf und nicht den tatsächlichen Verbrauch und den Ausstoß an CO2 in den Gebäuden. Was sich nur wie ein kleiner Unterschied anhöre, habe eine gewaltige Wirkung.