thema der Wohnungswirtschaft
N°1 – Der perfekte Sturm

Bild von ganz vielen kleinen Bäumen, die vor kurzer Zeit erst in die Erde gepflanzt wurden. Im Hintergrund stehen drei Häuser, die mit einem Zaun eingezäunt sind.
Quelle Fotos: GWG Viersen
Draufgeschaut

Bauholz aus dem eigenen Garten

Was ist besser, als mit Holz aus deutschen Wäldern zu bauen? Antwort: Holz aus der eigenen Plantage dafür nehmen. Zumindest für den Innenausbau ist das möglich, wie ein Pilotprojekt in Schwalmtal zeigen soll.

Zwischen Feldern und Wiesen im niederrheinischen Schwalmtal wächst ein ungewöhnliches Projekt heran. Wo einst nur Gras war, stehen nun junge Kiri-Bäume in akkuraten Reihen. Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen AG (GWG) hat hier auf einer 1.465 Quadratmeter großen Plantage rund 100 Paulownia-Jungpflanzen, besser bekannt als Kiri-Bäume, gepflanzt, um künftig eigenes Baumaterial zu gewinnen.

Zusammenarbeit für nachhaltige Holzproduktion

Die Idee entstand im Juni 2023 bei einer Veranstaltung des Holzbauunternehmens Derix in Niederkrüchten. Dort wurde die GWG auf das Unternehmen WeGrow aus Tönisvorst aufmerksam, das seit 2009 den Kiri-Baum erfolgreich für die nachhaltige Holzproduktion kultiviert. Nach einem Werksbesuch im Februar 2024 nahm die Zusammenarbeit schnell konkrete Formen an. Gemeinsam wurde ein unbebautes Grundstück in Schwalmtal-Hehler als Plantage genutzt. Mit Unterstützung von WeGrow wurden Setzlinge gepflanzt, die später bis zu 20 Meter hoch und 40 Zentimeter dick werden sollen.

Ein Baum mit Potenzial – aber auch Grenzen

Der Kiri-Baum wächst etwa drei Meter im Jahr, doppelt so schnell wie eine Eiche. Nach nur zehn bis zwölf Jahren liefert der Kiri-Baum Holz von beachtlicher Qualität. Seine Leichtigkeit macht ihn besonders für den Innenausbau attraktiv. Zudem speichert der Baum überdurchschnittlich viel CO2 und verbessert die Bodenqualität – eine Eigenschaft, die ihn besonders klimafreundlich macht. Aufgrund seiner Materialeigenschaften wird das Kiriholz unter anderem bei nichttragenden Teilen in der Konstruktion eingesetzt. Bei Decken, Treppen, Fenster, Modulbauten und Tiny Houses können Gewichtseinsparungen von Kiriholz Vorteile hinsichtlich der Gebäudestatik und der Einsparung von Transportkosten bieten. Auch der hohe Dämmwert von Kiri wirkt sich vorteilhaft auf die Energieeffizienz von Holzbauten aus. Doch das geringe Gewicht bringt auch Nachteile mit sich. Für tragende Konstruktionen wie Dachstühle oder Balken ist Kiri-Holz weniger geeignet. Auch in Sachen Brandschutz ist es anfälliger als schwerere Holzarten, sodass spezielle Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Da die Baumart in Europa nicht heimisch ist, besteht das Risiko von Monokulturen, die die Biodiversität beeinträchtigen könnten. Außerdem ist das Holz anfällig für bestimmte Schädlinge, falls es nicht richtig behandelt wird.

In der Schweiz sind bestimmte Kiri-Arten verboten, weil sie als invasiv gelten. WeGrow setzt allerdings nach eigenen Angaben nur spezielle Hybridpflanzen ein, die sich nicht selbstständig vermehren können und somit keine invasiven Risiken bergen.

Erstmals eingesetzt werden soll das Holz der Kiri-Bäume im vierten Quartal 2025 beim Innenausbau eines GWG-Gebäudes an der Straße Sechs Linden in Schwalmtal. Ob es sich für Fassaden oder Modulbauweisen eignet, wird derzeit noch geprüft. Die Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt könnten entscheidend dafür sein, wie stark Kiri-Holz in zukünftigen Bauprojekten eingesetzt wird.

Ein Modell für die ganze Branche?

Könnte dieser Ansatz ein Vor­bild für andere Wohnungsunternehmen sein? Die Vorteile – schnelle Verfügbarkeit, Klimafreundlichkeit und eine lokale Holzquelle – sprechen dafür. Doch um Kiri-Holz sinnvoll zu nutzen, braucht es durchdachte Konzepte, die seine Stärken optimal einsetzen und Schwächen ausgleichen. Als alleiniger Baustoff wird es klassische Hölzer nicht ersetzen können, aber als Ergänzung in nachhaltigen Bauprojekten könnte es wertvolle Impulse setzen.

Während die jungen Bäume in Schwalmtal weiter in den Himmel wachsen, bleibt die Frage noch offen, wie sehr sie die Zukunft des Bauens prägen können. Die GWG wagt gemeinsam mit WeGrow und weiteren Partnern einen spannenden Schritt – und wird zeigen, ob der Kiri-Baum seinen Platz in der Wohnungswirtschaft behaupten kann.

Bild eines Raumes mit der Holzbauweise. Die Decke, Wände und der Boden sind aus Holz.
Quelle: HGB Hamm

Das geringe Gewicht bringt auch Nachteile mit sich.

Der Kiri-Baum (auch hybride Arten)

  • Ursprünglich aus China und Japan, inzwischen weltweit kultiviert
  • Wächst bis zu fünf Meter pro Jahr
  • Holz ist sehr leicht, aber dennoch stabil
  • Hohe CO2-Speicherfähigkeit, verbessert Bodenqualität
  • Kann nach dem Fällen aus der Wurzel erneut austreiben
  • Verwendung: Innenausbau, Leichtbauholz, Möbelbau

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