thema der Wohnungswirtschaft
N°1 – Der perfekte Sturm

ein Mann steuert einen hundeähnlichen Roboter, ein weiterer Mann und eine Frau schauen dabei zu
Quelle: VdW Rheinland Westfalen
Bauforum Rheinland-Pfalz

Wie Künstliche Intelligenz beim Bauen hilft

Ist Künstliche Intelligenz (KI) ein Gamechanger beim Bauen oder sind die Hoffnungen, die manch einer in der Immobilienbranche in sie setzt, unbegründet? Darum ging es beim 25. Bauforum Rheinland-Pfalz am 23. Juni 2026 in Mainz. Die Veranstaltung hatte einen heimlichen Star.

Zoey ist 92 Kilo schwer, etwa ein Meter lang und kann auf ihren vier Beinen etwas mehr als fünf Kilometer in der Stunde zurücklegen. Zoey ist ein hundeähnlicher Roboter, der von der Ed. Züblin AG bei Baustellenbegehungen eingesetzt wird. Auf seinem Rücken befindet sich ein 360-Grad-Laser-Scanner und ein Computer. Ohne zu murren, steigt Zoey 16 Treppen in einem Rohbau hinauf, nimmt Bilder und lädt sich automatisch an einer seiner Ladestationen auf. Eine Software sucht die Bilder beispielsweise danach ab, ob die  vorgeschriebene Absturzsicherung oder alle Fluchtwegpiktogramme vorhanden sind. Auch den Baufortschrtitt kann sie kontrollieren.

Auf dem Bauforum, zu deren Mitgesellschafter der VdW Rheinland Westfalen gehört, stampfte sich Zoey in die Herzen der mehr als 150 Teilnehmenden und in das von Sven Teuber, der einen seiner ersten öffentlichen Termine als neuer Bauminister des Landes Rheinland-Pfalz wahrnahm. Sein Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur war nach der Landtagswahl im Frühling 2026 gegründet worden.

„Das System macht uns vor, intelligent zu sein. Es hat aber kein Bewusstsein.“

KI sinnvoll einsetzen

„Mein Ministerium hat die große Chance, die Dinge zusammenzubringen, die für die Menschen Heimat bedeuten“, sagte Teuber. In den Städten und Dörfern und in ihren eigenen vier Wänden fühlten sich die Menschen schließlich zuhause. Er spreche deshalb auch gerne vom Heimatministerium. Die Frage aber, wie sich die Bewohnerinnen und Bewohner sich ihre Heimat noch leisten könnten, triebe ihn um. Das Thema werde angesichts von Baupreissteigerungen und Lieferengpässen allerdings eher schwieriger als leichter. Er sei dafür, zu deregulieren und Prozesse zu beschleunigen. Die KI könne dazu ihren Beitrag leisten, aber sie müsse sinnvoll eingesetzt werden und individuelle Lösungen zulassen.

Zuvor hatte Prof. Dr. Andreas Dengel, Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern den Blick dafür geschärft, was KI ist. „Das System macht uns vor, intelligent zu sein. Es hat aber kein Bewusstsein.“ Sprachmodelle etwa reihten nach Wahrscheinlichkeiten die Worte aneinander, nicht mit Sinn und Verstand. Der Mensch sei in der Pflicht, das Ergebnis zu kontrollieren. Sein Credo „Wir sollten an einer menschengerechten KI arbeiten.“

Ein Saal füllt sich, im Hintergrund ist "Baustelle KI - Zwischen Hype und echter Hilfe" auf eine Landwand projiziert
Quelle: VdW Rheinland Westfalen

Wie Künstliche Intelligenz schon heute in Unternehmen und Verwaltungen eingesetzt werden kann, zeigten Martin Pietzonka von der Drees & Sommer SE, Berlin, und in einem eigenen Vortrag Thomas Horst, Beigeordneter der Stadt Worms. Beide setzen mit eigenen Daten gefütterte KI-Agenten ein, um standardmäßige Vorgänge zu erledigen. Sie berichteten von den Schwierigkeiten bei der Einführung der Software ebenso wie von den Arbeitserleichterungen. Beispielsweise sei es nicht immer einfach, das Mitarbeitenden von dem Einsatz der KI zu überzeugen. Doch wenn diese den Mehrwert erkennten, werde die KI schnell oft genutzt.

Zwei Männer stehen an ein Redepult gelehnt und schauen in die Kamera
Quelle: VdW Rheinland Westfalen

Prof. Thomas Mrokon von der Hochschule Mainz gab einen Ausblick, wohin sich KI entwickeln könnte. So werde daran gearbeitet, der KI ein Raumverständnis zu geben. Landläufig bestehe ein Bild für sie immer nur aus Bildpunkten, in denen sie Muster erkenne. Die nächste Generation aber habe schon die Fähigkeit zu wissen, wo im Raum sich ein Gegenstand befinde, und wie sich die physikalischen Gesetze sich auf diesen Gegenstand auswirkten. So könnten „Building World Models“ entstehen, also Modelle der Welt, mit denen und in denen gearbeitet werden kann. Mit ihnen könne schon im Entwurfsstadium der Schallschutz simuliert werden, und nicht erst in einer späteren Planungsphase. Dies mache Bauen einfacher. Er forderte die Planerinnen und Planer im Raum dazu auf, ihre Daten zu teilen. Wie die anschließende Diskussion zeigte, bauen die Architektenkammer gerade eine entsprechende Plattform auf.  

Zoey schaute sich zu dem Zeitpunkt die ganze Veranstaltung von ihrem Körbchen, pardon, ihrer Ladestation aus an und machte sich später zur nächsten Baustelle auf. Schließlich ist sie, wie ihr Herrchen Ahmad Allan feststellte, nicht die Zukunft, sondern bereits Gegenwart.

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