3 Fragen an… Petra Eggert-Höfel
Petra Eggert-Höfel ist ehrenamtliche Generalsekretärin der Entwicklungshilfe-Organisation DESWOS. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen.
Petra Eggert-Höfel
Generalsekretärin
seit über 30 Jahren in der Wohnungswirtschaft tätig und leitet die Wohnbau Dinslaken GmbH als Geschäftsführerin. 2022 übernahm sie das Amt der Generalsekretärin der DESWOS.
Welche Akteure stecken hinter der DESWOS?
Eggert-Höfel: Die DESWOS ist ein gemeinnütziger Verein, im Jahr 1969 gegründet aus den Wohnungsunternehmen und den wohnungswirtschaftlichen Verbänden, um das Menschenrecht auf Wohnen weltweit zu unterstützen und zu fördern. Die DESWOS hat rd. 870 Mitglieder, davon ca. 600 Unternehmen und rd. 270 private Mitglieder. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren die Anzahl der Mitglieder auf 1.000 zu erhöhen. Traditionell werden aus den Mitgliedsbeiträgen die Fixkosten gedeckt, die DESWOS hat seit 1993 ununterbrochen das DZI-Spendensiegel erhalten. Jeder gespendete Euro fließt in die Projektarbeit, das wollen wir gern auch zukünftig garantieren.
Für mich ganz persönlich ist die DESWOS auch ein täglicher Reminder daran, dass die Erfüllung des Grundbedürfnisses „Wohnen“, also ein geschütztes, menschenwürdiges Zuhause zu haben, alles andere als selbstverständlich ist und wir – trotz aller Schwierigkeiten – Gegebenheiten haben, die für annähernd 75 Prozent der Weltbevölkerung nahezu unerreichbar sind. Und wir dürfen und können helfen.
Wieso engagiert sich die DESWOS in Afrika?
Eggert-Höfel: Die Wohnsituation und die allgemeinen Lebensbedingungen sind in vielen Ländern Afrikas besonders prekär. Hinzu kommen die immer schwerwiegenderen Folgen des Klimawandels, Dürren oder Überschwemmungen und damit die weitere Vernichtung von Lebensgrundlagen sowie unhaltbare hygienische Zustände.
Auch wenn wir nicht überall helfen können, so tragen wir dennoch dazu bei, das Leben der Menschen in unseren Projekten deutlich zu verbessern. Es werden Wohnhäuser errichtet, Kindergärten und Schulen gebaut, Sanitäreinrichtungen verbessert und Gemeinschaftsprojekte, zum Beispiel Spargruppen, initiiert. In über 55 Jahren DESWOS haben wir damit über eine Viertelmillion Menschen erreicht und ihnen und ihren Familien eine Lebensperspektive gegeben.
«Für mich ganz persönlich ist die DESWOS auch ein täglicher Reminder daran, dass die Erfüllung des Grundbedürfnisses „Wohnen“ alles andere als selbstverständlich ist.»
Petra Eggert-Höfel
Wie werden die Entwicklungsprojekte der DESWOS ausgesucht?
Eggert-Höfel:
Das ist ein sehr vielschichtiger Prozess. Zunächst einmal haben wir gemeinsam Kriterien anhand anerkannter Indizes festgelegt, die eine Priorisierung von Ländern ermöglichen, in denen wir aktiv sein können. Dazu gehört weiter der Gedanke, in Afrika, Zentralamerika und in Asien Projekte zu fördern, denn unsere Solidarität und unsere Unterstützung gelten denjenigen, die besonderen Schutz benötigen unabhängig von Landesgrenzen und Kontinenten. Auch kommen wir damit den unterschiedlichen Präferenzen unserer Spenderinnen und Spender nach.
Ganz wesentlicher Faktor zur Auswahl eines möglichen Projektlandes ist natürlich, wie groß der Hilfebedarf vor Ort ist und wie nachhaltig wir helfen können. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind wir nicht in der Katastrophenhilfe aktiv, dazu haben wir keine Ressourcen und auch nicht die Qualifikation, das können andere, große Organisationen der Katastrophenhilfe besser umsetzen. Es entspricht auch nicht dem satzungsmäßigen Auftrag. Sehr wichtig ist die Sicherheit im jeweiligen Land: die DESWOS-Mitarbeitenden müssen die Möglichkeit haben, die Projekte vor Ort zu besuchen, dafür braucht es eine gewisse, auch politische, Stabilität in den Ländern.
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