thema der Wohnungswirtschaft
N°1 – Der perfekte Sturm

Verant­wor­tung

Für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft steht der Mensch im Mittelpunkt ihres Handelns. Sie sorgt sich um den sozialen Zusammenhalt in ihren Wohnquartieren und unterstützt ihre Mieterinnen und Mieter.

Quelle: Sari Schmitz

In Zukunft alt

In die politischen Diskussionen kehrt zunehmend ein Thema zurück, das längere Zeit durch das Ringen um das klimaneutrale Wohnen in den Hintergrund geriet: die älter werdende Gesellschaft. Im Jahr 2050 werden IT.NRW zufolge mehr als 24 Prozent der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen 67 Jahre und älter sein. Der größte Teil der Wohnungen und Gebäude ist darauf nur unzureichend vorbereitet. Doch es gibt Rezepte, dies zu ändern. Gerade einmal drei Prozent der Haushalte in Deutschland wohnen „komplett barrierefrei“, gerade einmal fünf Prozent „völlig barrierereduziert“. So weist es der Mikrozensus 2022 aus, der die Haushalte nach einer Selbsteinschätzung gefragt hat. Auch wenn es sich um die eigene Einschätzung handelt, macht diese Zahl klar, dass Handlungsbedarf besteht. Das bestätigt auch ein Gutachten des Forschungsinstituts GEWOS aus dem Jahr 2020. Demnach fehlen in NRW 440.000 „umfassend barrierereduzierte“ Wohnungen. Im Übrigen nicht nur für alte Menschen, auch jüngere Menschen und Familien sind zumindest temporär immer wieder auf barrierearme Wohnungen der Wohnungswirtschaft angewiesen. Wohlgemerkt war das der damalige Status quo. In immobilienwirtschaftlichen Zeiträumen gedacht werden es demnächst viel mehr Menschen sein, die auf eine solche Wohnung angewiesen sind. Laut GEWOS-Gutachten wird die Nachfrage bis 2040 um 36 Prozent steigen. 2050 werden in NRW einer Prognose von IT.NRW zufolge 4,27 der 17,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner älter als 67 Jahre alt sein, also knapp jeder Vierte. In Rheinland-Pfalz rechnet das Statistische Landesamt schon 2040 mit einem Anteil von 27,9 Prozent. Antwort liegt im Bestand.Das ist nicht nur für die Rentenkassen ein Problem, sondern auch für die Menschen selbst. Denn mit dem Alter geht in der Regel die Beweglichkeit verloren, viele sind angewiesen auf Hilfsmittel wie Rollatoren, immer mehr müssen Pflegedienstleistungen in Anspruch nehmen. Und selbst unter denjenigen, die noch halbwegs gut zu Fuß sind, können Schwellen,

Quelle: Daniel Merz

Fünf im Viertel

Drogenkriminalität, brennende Matratzen, Schlägereien: Das Düsseldorfer Viertel Wersten-Südost hat unschöne Schlagzeilen hinter sich. Fünf Wohnungsunternehmen sind angetreten, um die Abwärtsspirale im Viertel zu stoppen – und haben dafür 2025 den Preis Soziale Stadt gewonnen. Zwei Arbeitskreise des VdW Rheinland Westfalen informierten sich auf einer Exkursion über die erfolgreiche Quartiersarbeit.Ein Tag im November 2020: Es ist noch dunkel, als eine Gruppe Polizisten in den Morgenstunden gezielt eines der Hochhäuser an der Küppersteger Straße ansteuert. Es ist die zweite Drogenrazzia innerhalb weniger Monate in dem Gebäude im Werstener Südosten. Das Haus gilt als Drogenumschlagplatz, das Viertel als „überforderte Nachbarschaft“, wie es im Fachjargon heißt. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, einmal fast zu einer Massenschlägerei, ein Polizeieinsatz verhindert Schlimmeres. Fünfeinhalb Jahre später, Frühlingsanfang in Wersten. Die Luft ist kühl, doch die Sonne wärmt. Etwa 20 Menschen haben sich auf der Küppersteger Straße um Dorothee Linneweber und Prof. Reinhold Knopp gruppiert, unweit der „Blauen Säulen“, die wohl mal als Kunst am Bau errichtet wurden und mitten auf einer Kreuzung das Zentrum des Viertels markieren – unmittelbar an dem Hochhaus, in dem die Drogenrazzien stattgefunden haben. Linneweber hält ein laminiertes Blatt in die Höhe, auf der vier japanische Kirschblütenbäume gezeichnet sind. „Dieses Jahr sollen die Bäume an die Ecken der Kreuzung um die Blauen Säulen gepflanzt werden, gerade eben habe ich mich mit der SWD dazu getroffen, die die Kosten übernimmt“, sagt sie laut, sodass alle sie verstehen. Die SWD ist die Städtische Wohnungsgesellschaft Düsseldorf und eines von fünf Wohnungsunternehmen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diesen Stadtteil zu retten. Initiiert und strukturell auf den Weg gebracht wurde die Kooperation durch die Rheinwohnungsbau, es schlossen sich an: die SWD, Sahle Wohnen, WOGEDO und Vonovia. Bis

Illustration: Statement GmbH

Überfordert

Die Viertel in deutschen Städten stehen unter Druck, in ihnen zeigen sich gesellschaftliche Entwicklungen am deutlichsten. Die Studie „Überforderte Quartiere“ des InWIS Instituts für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung aus dem Jahr 2025 zeichnet ein alarmierendes Bild. Sie beschreibt Nachbarschaften, in denen sich soziale Probleme verdichten, staatliche Strukturen an ihre Grenzen stoßen und Perspektiven schwinden. Die Diagnose ist klar – und sie ist nicht neu. Doch ihre Dringlichkeit hat sich verschärft. Bereits vor über zwei Jahrzehnten wurde in einer Studie für den GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen auf ähnliche Entwicklungen hingewiesen. Doch heute, so die Autorinnen und Autoren von InWIS, sei die Lage ernster denn je. „Heute sind überforderte Quartiere zur alltagsprägenden Realität geworden – sichtbare Symptome einer umfassenden gesellschaftlichen Erschöpfung.“ Was früher als punktuelles Problem galt, sei inzwischen vielerorts Normalität.

"Messies": Betroffenen helfen, andere schützen

Werden große Mehrfamilienhäuser modernisiert, stoßen Wohnungsunternehmen regelmäßig auf Messie-Wohnungen: Von hundert Wohnungen sind etwa drei bis vier betroffen. So lautet die Erfahrung von Michael Schröter, Direktor der Erste deutsche Messie-Akademie, die er in einem Seminar beim VdW-Treffpunkt Sozialarbeit im März 2026 teilte. Dass das Problem in der sozial orientierten Wohnungswirtschaft virulent ist, zeigt auch die rege Teilnahme an dem Seminar. Es musste wegen der vielen Anmeldungen wiederholt werden. Dabei wurde vor allem diskutiert, wie man den betroffenen Menschen helfen, die Nachbarn aber auch schützen könne. Schröter verdeutlichte in dem Seminar, dass das "pathologische Horten", wie die psychische Erkrankung medizinisch korrekt heißt, viele Ausprägungen habe. Betroffen seien Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, viele Betroffene stünden erfolgreich im Arbeitsleben und hätten ein aktives soziales Umfeld. Zur Einordnung wichtig sei die Unterscheidung zwischen „Vermüllern“ und „Sammlern“.

Quelle: VdW Rheinland Westfalen

Bauverein Gütersloh setzt auf Einbruchschutz

Seit mehr als vier Jahren setzt der Bauverein Gütersloh sowohl beim Neubau als auch bei der Modernisierung seines Bestandes konsequent die Empfehlungen der Polizei zum Einbruchschutz um. Dokumentiert wird dies durch die blaue Präventionsplakette mit dem Aufdruck „Zuhause sicher“, die deutlich sichtbar an der Hausfassade angebracht wird. „Wir wissen, dass unseren Mieterinnen und Mietern die Sicherheit in den eigenen vier Wänden und im Wohnumfeld sehr wichtig ist. Daher werden wir auch bei künftigen Modernisierungen bauliche Maßnahmen zum Einbruchschutz einbeziehen“, sagte Jörg Höfel, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins, am Freitag (20. Februar) anlässlich der jüngsten Plakettenübergabe an der Holzrichterstraße. Bei den durch die Plakette gekennzeichneten Gebäuden sind einbruchsichere Fenster und Wohnungseingangstüren eingebaut worden. Häuser und Wege werden in der Dunkelheit so beleuchtet, dass keine sogenannten Angsträume entstehen, und durch die Gestaltung der Außenanlagen bleiben die Grundstücke gut einsehbar.

Quelle: VIVAWEST

VIVAWEST und Sozialdienst katholischer Frauen gemeinsam gegen Wohnungslosigkeit

Das VdW-Mitglied VIVAWEST und der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Langenfeld (SkF) haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Im Rahmen der Zusammenarbeit, die Teil der NRW-Landesinitiative „Endlich ein ZUHAUSE!“ ist, setzen sich beide Partner dafür ein, Wohnungslosigkeit proaktiv zu verhindern und Menschen, die von Wohnungsverlust bedroht sind oder bereits wohnungslos leben, zu beraten und zu unterstützen. Die Kooperation läuft zunächst bis Ende 2027. „Der Verlust der Wohnung oder Obdachlosigkeit – beide Szenarien sind für immer mehr Menschen Realität. Als Wohnungsunternehmen wissen wir um unsere soziale Verantwortung", sagt Giovanni Costanza, Leiter VIVAWEST-Kundencenter Niederrhein.

Quelle: Eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden 2025

Es war einmal eine Tanne

1990 glich die sogenannte Bevölkerungspyramide einem Tannenbaum: Etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung war dem Statistischen Bundesamt zufolge zwischen 20 und 66 Jahre alt, sie bildeten die unteren dichten Zweige. Deren Spitze bildeten die Über-67-Jährigen. Bis zum Jahr 2070 wird die Alterspyramide in Deutschland Prognosen zufolge nichts mehr mit einem Baum zu tun habe. Der eine oder andere sieht in dem Aufbau eher einen Dönerspieß. Zugrunde liegen dieser Grafik die Berechnungen der moderaten Variante (was Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung angeht) des Statistischen Bundesamts. Blickt man auf Nordrhein-Westfalen, geht IT.NRW für 2070 übrigens von 4,35 Millionen Über-67-Jähriger aus, die einen Anteil von 24,98 Prozent in der Bevölkerung ausmachen. 2021 lag deren Anteil noch bei 18,95 Prozent. Der Anteil der Alten wird groß und größer.

Quelle: Roland Baege

„Weil Demenz jeden Tag anders ist“

Fatma Kebir steht in der Mitte des Wohnzimmers. „Was ist rund, fliegt durch die Luft und wird mit dem Fuß getreten?“, fragt sie und hält ein laminiertes Kärtchen in die Höhe. Vor ihr sitzen acht ältere Menschen, verteilt um den großen Holztisch der Wohnküche. Herr R. blinzelt. Frau S. formt zögerlich eine Kugel mit den Händen. „Ein Ball!“, ruft sie schließlich. Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Fatma Kebir. „Richtig, ein Ball! Sehr gut.“ Sie legt der älteren Dame sanft die Hand aufs Knie. Wenig später tritt Rebecca Wehnert, die zweite Pflegekraft im Dienst, aus einem Bewohnerzimmer in die Wohnküche hinzu. Kurze, dunkle Haare, ruhige Stimme, ein Blick, der genau beobachtet, ohne zu drängen. Seit etwas mehr als einem Jahr arbeitet die Krankenpflegehelferin hier in der Demenz-WG der Wohnungsgenossenschaft hwg im Hattinger Stadtteil Holthausen, die 2021 eröffnet wurde. Aus der offenen Küche dringt Kaffeeduft herüber, eine Maschine rattert. Auf der Arbeitsfläche steht ein Tablett mit frisch geschnittenem Obst. Auf dem Herd köchelt ein kleiner Topf vor sich hin – die Vorbereitung für das Mittagessen läuft bereits. Neben dem Kühlschrank hängt eine Kinderzeichnung – ein Geschenk aus der Kita im Erdgeschoss. Acht Bewohnerinnen und Bewohner leben in dieser Etage, acht weitere in der WG oben drüber. Sie alle haben ihr eigenes Zimmer, bringen Möbel und Erinnerungen mit. Die Türen stehen offen, Stimmen hallen durch die große Wohnküche. Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Die demografische Entwicklung lässt vermuten, dass es in Zukunft mehr sein werden. Auch diese Menschen wollen, solange es geht, zu Hause wohnen bleiben. Und das sind diese acht Menschen hier bei der hwg: zu Hause. Die Genossenschaft hat die Räume an den sozialen Träger vermietet. Damit diese Wohnform möglich ist, müssen klare rechtliche Vorgaben eingehalten werden. In Nordrhein-Westfalen gelten ambulant betreute Wohngemeinschaften wie diese nicht al