Blackout
- Das Thema
Blackout
Tage ohne Strom: Wäre die Wohnungswirtschaft darauf vorbereitet? Was Wohnungsunternehmen und -genossenschaften tun können, bevor der Blackout eintritt. Auf einen Schlag war der Strom weg. Um 5:44 Uhr fiel am 3. Januar 2026 bei etwa 45.000 Menschen im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf der Strom aus. Kein Licht, keine Heizung, in Wohnungen ab dem sechsten Stock aufwärts fließt das Wasser nur noch spärlich oder gar nicht mehr, die Aufzüge fallen aus. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt werden die Häuser stündlich kälter. Supermärkte und Geschäfte können nicht öffnen, Tankstellen können nicht mehr betanken. Notunterkünfte werden in Schulen und im Rathaus eingerichtet, dort werden auch Menschen aus Pflegeheimen untergebracht. Die Stadt ruft die Großschadenslage aus. Zehntausende Berlinerinnen und Berliner müssen bis zum 7. Januar ausharren, bis der Strom wieder in die Wohnungen zurückkehrt. Grund für die Katastrophe war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal. Die linksextreme „Vulkan-Gruppe“ hat sich zu dem Anschlag bekannt. Ein Krisenszenario wurde Realität, und Expertinnen und Experten warnen angesichts der sich verschärfenden Sicherheitslage in Europa und zunehmenden Cyber-Angriffen davor, dass sich das wiederholen könnte.
- Beispielhaft
Vier Tage ohne Strom
45.000 Menschen saßen am 3. Januar 2026 im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf ohne Strom da – und ohne Heizung. Manche davon vier Tage lang. Auch für die landeseigenen Wohnungsunternehmen wie die STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH war das eine enorme Belastung, weil sie für das Wohl ihrer Mieterinnen und Mieter sorgen wollten. Eine Belastung, aus der sie Lehren gezogen hat. Die Über-80-Jährige wollte ihre Wohnung nicht verlassen. Seit Tagen hatte sie keinen Strom mehr, keine Heizung, ein ehrenamtlicher Helfer brachte ihr heißes Wasser, lieh ihr ein altes Handy, damit sie telefonieren konnte. Doch ihre Wohnung verlassen? Niemals. Zu groß war die Angst, nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehren zu können. Mit ihrem Anschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin wollte die linksextreme „Vulkan-Gruppe“ einem Bekennerschreiben zufolge „den Herrschenden den Saft abdrehen“. Am härtesten traf sie allerdings ältere Mieterinnen und Mieter, die in immer kälter werdenden Wohnungen ausharrten. Etwa 20 Prozent der Bewohnerschaft, in der Regel Seniorinnen und Senioren, hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während des Blackouts in den Wohnungen noch angetroffen, berichtet Ingo Malter, Geschäftsführer der STADT UND LAND. In Decken gehüllt.Bereits am Mittag des 3. Januar, einem Samstag, begannen seine Kolleginnen und Kollegen, während Schnee und Eis Berlin fest im Griff hatten, durch Hausflure zu gehen und an die Wohnungstüren zu klopfen. Viele Menschen waren offensichtlich bereits zu Freunden oder Verwandten ausgewichen, die vom Stromausfall nicht betroffen waren. Doch nicht wenige ältere Menschen saßen in Decken gehüllt, abgeschnitten von jeder Kommunikation, allein in ihrer Wohnung. „Wir haben geholfen. Manchmal ganz pragmatisch mit Powerbanks, batteriebetriebenen Taschenlampen etc., die wir übergeben haben“, erzählt Malter. Manchmal indem wir eine Hilfsorganisation oder Verwaltung verständigt haben, dass hier ein Mensch Hilfe benötigt. Immer wieder wurde gefragt, ob genüg
- Draufgeschaut
Was jeder zuhause haben sollte
Zur Vorbereitung auf Notfälle und Katastrophen gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) allgemeine Hinweise. Bürgerinnen und Bürger sollten prüfen, was davon in ihrer Situation angemessen ist und ob man manches gegebenenfalls mit anderen gemeinsam anschaffen könnte. 1. Trinkwasser, Lebensmittel und Tierbedarf Trinkwasser: 2 Liter pro Person und Tag für drei bis zehn Tage, Gaskocher der für Innenräume zugelassen ist inklusive Brennstoff, Futtervorrat für Tiere, Haltbare Lebensmittel 2. Information, Kommunikation und Stromversorgung: Kurbelradio (oder solar- oder batteriebetrieben), Aufgeladene Powerbank, Warn-App (wie NINA), Liste wichtiger Telefonnummern auf Papier
- Aussenansicht
Wohnungsunternehmen und -genossenschaften sind gleich auf drei Ebenen gefordert, wenn eine Katastrophe eintritt: auf Ebene der Mieterinnen und Mieter, der eigenen Organisation und des einzelnen Gebäudes. Darauf sollten sie vorbereitet sein. Fällt die Energieversorgung aus, geraten binnen kurzer Zeit zahlreiche Funktionen des täglichen Lebens unter Druck. Wie konkret diese Gefahr inzwischen geworden ist, haben die Anschläge auf die Berliner Stromnetzinfrastruktur im September 2025 und im Januar 2026 gezeigt: Über Tage waren zehntausende Menschen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt von der Stromversorgung abgeschnitten. Für viele war dies ein Schock – für die Wohnungswirtschaft zugleich ein Weckruf. Denn er zwang die Branche zu einer unbequemen Frage: Wie abhängig und wie exponiert sind Unternehmen, ihre Bestände und ihre Mieterschaft tatsächlich gegenüber Versorgungsstörungen, hybriden Bedrohungen, Extremwetterereignissen und letztlich sogar den Auswirkungen von Angriffskriegen? Mehrfamilienhäuser sind in dieser Hinsicht besonders verwundbar.
- Im Gespräch
„Eine Krise bedeutet drohende Überforderung“
Dr. Thomas Poschkamp ist Leiter der Notfallpsychologie Düsseldorf. Sollte es einmal einen großflächigen Stromausfall oder eine andere so genannte Großschadenslage in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt geben, ist er dafür zuständig, die psychologische Erste Hilfe der Bevölkerung zu gewährleisten. Bei einem Spaziergang mit VdW-Mitarbeiterin Laura Brinkmann durch den Düsseldorfer Stadtteil Unterbilk spricht er darüber, was in Mieterinnen und Mietern in einer solchen Gefahrenlage vorgehen kann und wie man sich mental darauf vorbereiten kann – auch als Verantwortliche bzw. Verantwortlicher eines Wohnungsunternehmens. Wir treffen uns Mitte Juli an der Kirchfeldstraße in Düsseldorf, direkt an der Einfahrt des Evangelischen Krankenhauses. Ein Krankenwagen verlässt gerade das Gelände. Laura Brinkmann: Herr Poschkamp, im Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf-Unterbilk werden mehr als 80.000 Patientinnen und Patienten jedes Jahr versorgt. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie hier stehen und an einen möglichen lang anhaltenden flächendeckenden Stromausfall denken? Haben Sie Angst davor? Dr. Thomas Poschkamp: Zunächst bleibt festzuhalten: Ein großflächiger Blackout ist in Deutschland sehr selten. Aber er kommt vor: In Berlin Anfang des Jahres durch Sabotage, aber auch 2005 im Münsterland durch extrem starke Schneefälle. Ich habe deshalb keine Angst davor, ich bin mir aber des Risikos bewusst. Angst hat immer etwas mit einem möglichen Kontrollverlust zu tun, Risikobewusstsein schafft die Möglichkeit, sich auf den Fall vorzubereiten. Und Krankenhäuser haben für Stromausfälle, aber auch beispielsweise für Cyber-Angriffe oder einen Massenanfall von Verletzten so genannte Alarm- und Einsatzpläne. Das Krankenhaus wäre sicher einer der Orte, die über Notstromaggregate bei einem Stromausfall mit Energie versorgt würden. Normale Wohnungen stehen in der Priorität eher weiter hinten, oder? Poschkamp: Die Aufgabe des Bevölkerungsschutzes ist die Sicherstellung der kritischen Infrastr